Wie feiern eigentlich Fans anderer Nationen ihre Mannschaften bei der WM? Nach dem Englischen Pub teste ich bei bestem Wetter das öffentliche Gruppen-Glotzen im Hannoveraner Gilde Park. Auf dem Spielplan steht Mexiko vs Frankreich ...

Beim Public View an der Gilde Parkbühne herrscht gähnende Leere. Nur Melena (auf dem Bild rechts vorne) und eine handvoll weiterer mexikanische Fans sind gekommen. In einiger Entfernung sitzt ein Franzose im blauen Trikot mit der Nummer 22, Franck Ribery. Beide Mannschaften stehen schließlich nicht gerade für spannenden Offensivfußball. Das stört Melena jedoch nicht: „Es ist schön, ein paar Landsleute zu treffen und die Sonne zu genießen. Fußball ist da schon fast zweitrangig.“ Ihre Freundinnen sehen das ähnlich, nur ein Mann neben uns schüttelt den Kopf und lacht: „Mexiko wird Weltmeister oder wir kommen jedenfalls in Viertelfinale.“ Das Spiel vorne auf der Leinwand plätschert so vor sich hin. Szenenapplaus gibt nur für einige mutige Spielzüge der Mexikaner, nicht nur von Melena und ihren Begleitern, sondern auch von der Security und den Polizisten, die an diesem Abend nichts zu tun haben und auch einmal Fußball schauen dürfen.

Einsame Franzosen - Ribery konnte nich glänzen. 

Als Mexiko in Führung geht, werden die „Viva la Mexiko“-Schlachtrufe lauter hörbar. Der einsame Franzose im Franck Ribery-Trikot hat inzwischen das Public View verlassen, sein Idol ist genauso überfordert, wie der Rest der Équipe Tricolore. Nur die Mexikaner werden immer mehr und immer lauter. Als das 2:0 fällt, gibt es kein Halten mehr. Einer der neu angekommenen Fans trägt sogar eine Maske der mexikanischen Wrestler. Als ich ihn allerdings um ein Foto bitte, lehnt er ab. Würde ich ihn im Ringkampf die Maske abnehmen können, dürfte ich auch ein Bild machen. Ich verneine, das Ringen wäre wahrscheinlich ähnlich zäh und erfolglos wie das Anlaufen von Frankreich gegen die Abwehr der Mexikaner. Auch wenn Mittelamerikaner nicht das Feiertemperament von Südamerikanern haben, sorgen sie doch für eine tolle Stimmung und ihr Humor ist weltmeisterlich. Melena verabschiedet sich, morgen wird sie wieder hier stehen und ihre zweite Heimat, Deutschland, anfeuern.


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