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LISA_SPIESSERLISA_SPIESSER(19) aus Dresden

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Freiwillig oder zivil?

Alljährlich müssen sich Schulabgänger entscheiden: Bundeswehr oder Zivildienst? Eine weitere Alternative ist das Freiwillige Jahr. Hier erfahrt ihr, wo die Unterschiede zum Zivildienst liegen – und worauf man achten sollte.

Foto: Bundesamt für Zivildienst

Jeder junge Mann, der seine Schullaufbahn beendet, steht irgendwann unweigerlich vor der Frage, ob er sich bei der Bundeswehr verdingen oder als Zivildienstleistender dem Staat nützlich machen soll. Wer diese Frage mit damit beantwortet hat, das er nicht Soldat werden möchte, der steht seit 2002 vor einer weiteren Entscheidung: Anstelle eines klassischen Zivildienstes kann man ein Freiwilliges Jahr in den sozialen, kulturellen oder ökologischen Bereich absolvieren. Doch wo liegen die Unterschiede zwischen diesen Diensten?

Der kleine Unterschied

Auf den ersten Blick wirken freiwillige und zivile Arbeit recht gleich: Oft werden beide Varianten sogar von denselben Dienststellen angeboten. Doch warum wurde dann Freiwillige Jahr (FJ) als Alternative zum Zivildienst eingeführt und anerkannt?

Anerkannte Kriegsdienstverweigerer können anstelle von Zivildienst ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) oder ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) absolvieren. Die gesetzliche Grundlage dafür ist § 14 c des Zivildienstgesetzes. Antje Mäder, Pressesprecherin des Bundesamtes für Zivildienst, sagt: „Die damalige Bundesregierung wollte mit den neuen Gesetzen das FJ fördern und auch die ungleiche Verteilung zwischen den Geschlechtern weiter abbauen. Das FJ wird überwiegend von den Organisationen angeboten, die auch Zivildienstleistende beschäftigen, die Einsatzbereiche sind oft ähnlich. Die Unterschiede ergeben sich insbesondere daraus, dass das eine ein Pflichtdienst und das andere ein Freiwilligendienst ist.“

Dieser Punkt ist entscheidend: Absolviert man ein FSJ/FÖJ, so geschieht das auf einer freiwilligen Basis. Wenn ihr hingegen einen Zivildienst ableistet, habt ihr weniger Chancen mitzubestimmen, wie euer Tätigkeitsfeld genau aussieht. Als FSJler kann man zu einer Aufgabe schon einmal Nein sagen.

Auch die Begleitseminare der Dienste unterscheiden sich voneinander: Beim Zivildienst dienen die Veranstaltungen der Vorbereitung und der Reflexion des Zivildienstes, Seminare zur persönlichen Weiterbildung zu bestimmten Themen können extra belegt werden. Im FSJ sieht das etwas anders aus: In einem Einführungs-, Zwischen- und Abschlussseminar wirken die FSJler an der inhaltlichen Gestaltung und Durchführung mit, sprich: Sie beschäftigen sich mit dem, was sie interessiert. Auch lassen sich mit einem FSJ einige Regelungen umgehen: Als „Zivi“ darf man zum Beispiel nicht in einem Verein arbeiten, in dem man selbst Mitglied ist – als FSJler aber schon.

Nichts ist perfekt

Bei all diesen Vorteilen haben die Freiwilligendienste aber auch einen Haken: „Der Unterschied liegt unter anderem in der Länge des Dienstes, das FJ dauert drei Monate länger. Es wird neben Sachleistungen ein angemessenes Taschengeld gezahlt, während es im Zivildienst einen höheren Sold gibt“, erklärt Antje Mäder.

Und „Taschengeld“ ist durchaus wörtlich zu verstehen. Das steht sogar im Gesetz. In §2, Absatz 3 des „Gesetzes zur Förderung eines Freiwilligen Sozialen Jahres“, heißt es, dass der FSJler „für den Dienst nur unentgeltliche Unterkunft, Verpflegung und Arbeitskleidung sowie ein angemessenes Taschengeld erhalten (...) oder anstelle von Unterkunft, Verpflegung und Arbeitskleidung entsprechende Geldersatzleistungen erhalten (...)“ kann. Im Schnitt verdient man im FSJ ungefähr 300 Euro. Zum Vergleich: Im Zivildienst liegt der Sold zwar zunächst auch bei etwa 300 Euro, aber die Einkünfte gestaffelt, es gibt zweimal eine im Laufe der Dienstzeit zweimal eine Erhöhung. Daneben werden Weihnachts- und Entlassungsgeld, Kleidungs- und Essensgeld und eventuell Fahrtkosten und Mobilitätszuschlag gezahlt. Wenn ihr also auf Geld angewiesen seid, weil ihr zum Beispiel nicht mehr zu Hause wohnt, dann solltet ihr wohl den Zivildienst in Erwägung ziehen.

Aber außer diesen materiellen Gründen spricht nichts dagegen, ein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren – und letztendlich sollte, egal für was man sich entscheidet, die soziale Arbeit im Vordergrund stehen, das Wissen, etwas Gutes und Sinnvolles zu tun.

Zwei Zivis erzählen von ihren Erfahrungen:

Reinhard Mühlberg erzählt vom Zivi
Reinhard Mühlberg, 20:

„Meinen Zivildienst habe ich letztes Jahr im Krankenhaus abgeleistet. Das war für mich persönlich eine hilfreiche Erfahrung für mein Medizinstudium, wobei auf Station der Stress und Arbeitsaufwand ungleich höher ist als bei anderen Zivildienststellen. Außerdem sollte eine soziale Tätigkeit meiner Meinung nach eher verpflichtend sein, als durch den Schlamm zu robben. Neben dem Gefühl, etwas wirklich sinnvolles zu tun, wird man mit dem Abbau vieler Berührungsängste und der Erkenntnis, nach der Schule nicht der Mittelpunkt der Welt zu sein, belohnt.“

 

Tobias Lehmann erzählt vom Zivi
Tobias Lehmann, 21:

„Dass man statt des Zivildienstes auch ein FSJ machen kann, wusste ich gar nicht. Das hätte mir einige Schwierigkeiten erspart. Seinen Zivildienst darf man nämlich nur dann woanders machen, wenn die Stelle einem eine Unterkunft stellt. Zum Glück ist alles gut gegangen und ich arbeite und wohne jetzt in meiner Wunsch-Zivistelle in einer Schule und einem Heim für behinderte Kinder. Ich habe schon früher in den Ferien Kinder betreut. Nach dem Zivildienst werde ich hier eine Ausbildung machen zum Heim- und Jugenderzieher. Mittlerweile habe ich durch die Arbeit auch eine andere Sicht auf die Kinder bekommen. Ich sehe sie nur noch als Menschen, nicht als Behinderte, mit der Zeit verliert man die Distanz. Das schöne ist auch: Man lernt jeden Tag etwas dazu!“

 

Text und Fotos: Lisa Hoffmann

 

Weitere Infos: Zivldienst und FSJ/FÖJ in Jugendherbergen

 

Kommentare

FSJ und Zivildienst

Unter http://www.youpodia.de/content/jobs gibt es übrigens beides - neue FSJ und neue Zivildienststellen.

timmeytimmey(18) aus Lindau

Auf jeden Fall

Auf jeden Fall nicht verkehrt, mal Meinungen und Erfahrungen zu hören.... Was mna dann macht kann man ja selber entscheiden. Möglichkeiten zu kennen ist ja immer hilfreich...

Martin_1982Martin_1982(27) aus Kassel

Menschen helfen oder der Umwelt?

Ist das nicht die zentrale Frage hier? Wenn ich Ziivildienst mache, dann helfe ich einem Menschen, finde das - obwohl ich ein kleiner Öko bin – wichtiger als der Umwelt zu helfen. Letzteres kann ich durch mein eigenes Handeln im Alltag.

nico_89nico_89(21) aus Brandenburg

Finanziell Sinn machen

Muss das Ganze aber schon. Man will ja nicht noch arbeiten müssen, um über die Runden zu kommen!

michi82michi82(15) aus Münster

Zu Hause wohnen

Also wenn man noch zu Hause wohnt, dann ist das doch kein Thema oder?

THE_ROBBTHE_ROBB(17) aus Münster

Materielles

Materielles sollte in dem Fall, wenn man sich für ein FSJ entscheidet, tatsächlich nict im Vordergrund stehen, oder? Da wäre für mich der Wert der sozialen Arbeit auch wichtiger...

1_umweltengel1_umweltengel(16) aus Ulm

FSJ und FÖJ

find ich gute Alternativen - und das können ja auch wir mädchen machen ne?!