
Anja, welche Aufgaben hat man als Teamerin in einer Segelschule?
Einerseits haben wir natürlich die Rolle eines Lehrers, da wir sowohl Theorie-, als auch fundierte Praxiskenntnisse des Segelns vermitteln. Allerdings beschränkt sich das nicht auf einen trockenen Lehraspekt, sondern es ist vielmehr eine gemeinsame Arbeit von Segelschülern und Teamern. Wir als Teamer sitzen mit im Boot, zeigen wie man bestimmte Manöver fährt und schauen uns an, wie die Schüler es umsetzen. Einige Teamer sitzen auch in unserem Motorboot und behalten mit Ferngläsern den Überblick über unsere kleine Flotte. Wenn besonders gute Manöver gefahren wurden, gibt es für die Crews auch schon mal Gummibärchen. Das, was mich immer wieder erstaunt ist, dass die Leute, die fast alle als Alleinreisende nach Bad Zwischenahn gekommen sind, sich vorher nicht kannten und alle unterschiedlichen Alters und unterschiedlichen Charakters sind, nach wenigen Tagen Segeln zu einer festen Gruppe zusammengeschweißt sind. Dieser Zusammenhalt in der Gruppe lässt sich mit Worten kaum beschreiben. Dazu trägt nicht nur das gemeinschaftliche Segeln bei, sondern auch das abendliche Beisammensitzen am Lagerfeuer mit Gitarre und Gesang und das Genießen der mittlerweile legendären Sonnenuntergänge am Steg.
Welche Qualifikationen muss man denn als Teamer mitbringen? Reicht es, eine gute Seglerin zu sein?
Man muss einfach das Segeln lieben. Aber das reicht noch nicht, überdurchschnittlich gute Segelkenntnisse sollte man natürlich auch im Gepäck haben. Als Teamerin muss man aber auch viele soziale Kompetenzen mitbringen: beispielsweise geduldig sein, und sich auf unterschiedliche Lerntypen einstellen. Denn bei dem einen muss man die Wende 30 Mal üben, während es bei der anderen schon beim ersten Mal klappt. Man muss außerdem relativ offen sein, gegebenenfalls Konflikte lösen können und sich nach jedem vergangenen Tag schon wieder auf den nächsten freuen können. Aber das fällt in Bad Zwischenahn sowieso niemandem schwer.
Und was machst du, wenn es auf dem See mal gefährlich wird?
Wenn es kritische Situationen gibt, müssen wir als Teamer schnell eingreifen, das ist auch eine Kompetenz, die man braucht: selbstbewusst auch mal selber die Pinne in die Hand zu nehmen und Probleme lösen. Oder, wenn man sich gerade auf dem Motorboot befindet: Ruhe bewahren und bei aufkommenden Sturm sofort alle Boote in den Hafen rufen.
Gibt es denn Gefahrenzulage, fällt man zum Beispiel oft ins Wasser oder ist es halb so wild?
Wie bei jedem Sport muss man vorsichtig sein. Vor dem Kentern braucht man aber keine Angst zu haben. Das passiert fast jedem und vielen, wie mir zum Beispiel auch, macht es sogar richtig Spaß. Bei meiner ersten Kenterung schwammen ich und mein Mitsegler erst einmal fünf Minuten im Wasser und lachten, bis wir das Boot wieder aufrichten konnten. Ein großes Verletzungsrisiko besteht dabei nicht.
Man merkt deine Begeisterung, wenn es ums Segeln geht. Was fasziniert dich daran?
Es ist einfach spannend mit immer neuen Herausforderungen umzugehen. Wir haben in der Segelschule vier unterschiedliche Bootstypen und alle reagieren anders auf Wind und Welle. Für jeden Segler ist ein passendes Boot dabei: für die, die es etwas gemütlich lieben aber auch für die, die es sportlicher mögen. Die immer unterschiedlichen Windrichtungen und –stärken, die fast komplette Abhängigkeit von den Naturgewalten, das macht das Segeln aus. Ist es am Vormittag ein entspanntes Segelerlebnis, so kann am Nachmittag schon eine steife Brise wehen. Dann ist man ganz gefordert. Bei diesem etwas stärkeren Wind merkt man erst, wie schnell das Boot doch auf den Menschen, der die Schot und die Pinne in der Hand hält, reagiert. Man kämpft nicht gegen den Wind, sondern genießt ihn und nutzt ihn zu seinen Gunsten aus. In diesen Momenten vergisst man alles um sich herum und wird mit dem Boot zu einer Einheit. Es ist ein unglaubliches Gefühl. Ein einzigartiger Moment. Das Ganze als Team. Da denkt man nach einer Woche, man kennt sich schon ein ganzes Leben lang!
Eine Teamer-Saison:
Die Saison in Bad Zwischenahn fängt im Juni an und dauert bis zum September. Anja, die Jura studiert, ist in den Semesterferien ca. 3- 4 Wochen im Einsatz. Das lässt sie sich trotz vieler Hausarbeiten nicht nehmen. Sie arbeitet mit ca. 70 weiteren Teamern zusammen.
Segeln Lernen:
Vorkenntnisse als Segelschüler braucht man in Bad Zwischenahn nicht. Die Kurse sind auf den Leistungsstandard ausgerichtet und sehr intensiv. Nach einer Woche Segel-Kurs erlangt man einen Grundschein. Um den amtlich anerkannten Sportbootführerschein zu machen, braucht man 2 Wochen. Vorteil der Intensivkurse: Man lernt praktische und theoretische Dinge gleichzeitig.
Weitere Infos: Segel-Kurs, 1 Woche im August
Kommentare
Das Besondere an dieser Segelschule
Mir ist keine andere Segelschule bekannt, die so konsequent ehrenamtlich betrieben wird. Die SegellehrerInnen spendieren - wie auch in dem Interview angedeutet - ihren Jahresurlaub oder ihre Semesterferien, um anderen die Freude am Segeln zu vermitteln. In welcher anderen Segelschule kann man auch schon mal in den Sonnenaufgang hineinsegeln oder mit den Segellehrern dem Lagerfeuer beim Verglimmen zusehen?
Das Schöne an Bad Zwischenahn
Das Schöne an Bad Zwischenahn ist aber, dass es nicht einfach nur darum geht schnell einen Segelschein zu machen, sondern auch um einen wundeerschönen Urlaub zu machen, den man nicht so schnell vergisst. Man lernt so viele neue Leute kennen. Ich war zum Beispiel schon mehrmals da und mit einigen Leuten, die ich da kennengelernt habe, bin ich immer noch super befreundet. Bad Zwischenahn ist wie eine Sucht....war man ein mal da möchte man so schnell wie möglich wieder kommen.
selbst
in hannover kann man auf dem Maschsee segeln...
Segelschiffe mieten
Also in Hamburg geht das auf jeden Fall. Eine Freundin von mir hat da ihren Segelschein gemacht und die leiht sich im Sommer auf der Alster öfter mal ein Boot. Weiß aber nicht, ob das überall so einfach geht.
Nur zwei Wochen?
Das geht ja echt super schnell. Aber wenn man den Schein dann hat, wo kann man denn einfach mal so segeln?
Spannend
Bestimmt spannend - wobei es bei mir mit der Geduld manchmal kritisch wird... Aber das kann man ja auch lernen ;o)