
Sonokrom, ein Dorf im Hinterland Ghanas, hat sich seit Jahrhunderten kaum verändert. Hier spricht man noch die Sprache des Waldes, trinkt aphrodisierenden Palmwein und wandelt mit den Geistern der Vorfahren. Doch eine verstörende Entdeckung und das gleichzeitige Verschwinden eines Dorfbewohners stören die ländliche Ruhe.
Wäre nicht die Geliebte des Ministers in den Fall verwickelt, wäre er schon längst ad acta gelegt worden. Der Städter Kayo, Gerichtsmediziner und Anhänger wissenschaftlicher Vernunft, wird mit der Aufklärung beauftragt – schwierig für jemanden, der nicht unbedingt an Übersinnliches glaubt und zugleich von seinem Vorgesetzten an der kurzen Leine gehalten wird. Als die Situation immer undurchsichtiger wird, müssen Kayo und seine Ermittler sich eingestehen, dass westliche Logik und politische Bürokratie ihre Grenzen haben. Es ist eine Geschichte über „Macht“ – wie Parkes selbst sagt.
„Die Vögel haben nie aufgehört zu singen, schaut man genauer hin, sieht man, dass die Vögel ihr Lied singen egal was passiert.“ Ähnlich wie “die Vögel“ in diesem Sinnspruch scheint auch die Gesellschaft in Ghana zu funktionieren. Auch wenn schon längst eine moderne Gesellschaftsstruktur in den städtischen Zentren wie der Millionenstadt Accra dominiert, hat die dörfliche Kultur doch nicht aufgehört zu existieren, sie existiert weiter „egal was passiert“.
Nii Parkes erzählt in diesem lesenswerten Roman davon, welche Verwicklungen und Probleme entstehen, wenn die Staatsmacht auf die alten und sehr komplexen Regeln eines Dorfes trifft. Damit stellt er das bloß, was wir als literarischen Krimialltag wahrnehmen: auf die Spitze getrieben in Fernseh-Serien wie CSI, mit einer absurden wissenschaftlichen Dominanz.
Parkes stammt aus Ghana, ist aber ein auch europäisch geprägter Literat; schreibt Prosa und Lyrik, lebt in London und Paris – und ist nicht zuletzt Champion des Farrago UK Poetry Slams. Ein wortmächtiger Erzähler also, der sich dennoch auch der Erzähltradition der Dorfbevölkerung bewusst ist. Auch darum ist das Buch lesenswert.
Man muss kein Vogelkundler sein oder Kulturwissenschaftler – die Sprache von Parkes ist teils poetisch, aber eben auch cool. Für alle Krimifans geeignet, die mehr an kulturellen und sozialen Hintergründen interessiert sind als an Mord und Totschlag. Das Buch macht Spaß und hilft die gesellschaftlichen Konflikte in Ghana zu verstehen.
Nii Parkes auf youtube.com - Nii Parkes Roman ist gerade im Unionsverlag erschienen – als Taschenbuch sind die 224 Seiten für 16.90 € zu haben.
Im nächsten Monat startet wieder die Frankfurter Buchmesse. Wir stellen jetzt schon einige empfehlenswerte Neuerscheinungen vor. Schreibt im Kommentar, was ihr neues lest, empfehlen könnt und welche Art von Büchern wir noch vorstellen sollen.
Kommentare
Find ich super!
Klingt total gut. Das Buch werde ich mir bestimmt besorgen.
Ich habe gerade das letzte Buch von Stieg Larssons Millenium-Trilogie zuende gelesen.
Im Moment lese ich "Der Hobbit" von Tolkien, damit ich mich an Herr der Ringe wagen kann. Danach kommen Jane Austens Romane - natürlich in Originalsprache :)
Krimis finde ich cool,
Krimis finde ich cool, ansonsten Reiseführer und gute Ratgeber.
Ich werde
ach mal reinschauen - Tipp: Immer erst mal in die Hand nehmen und reinschauen, bevor man zu einem Buch nein sagt!
Nee danke
Ich bin gerade noch beim letzten HP-Band ;-)
Jep
sehe ich genau so. Habe schon so oft Bücher einfach gekauft, nachdem ich in der BH mal reingeschaut habe. Das sind sogar meistens die spannendsten Bücher.
Nicht soooo interessant
Hm, ich muss zugeben, dass wenn ich ein Buch in die Hand nehme, ich schon im Vorhinein echt interessiert sein muss. Das ist hier nicht so der Fall. Hab da gar keinen Berührungspunkte zu :-/
Interessant
Werde ich mal reinschauen in einer Buchhandlung! Danke für den Tipp!