Die Tafeln helfen einer Millionen Menschen in Deutschland, die es sich nicht leisten können, sich und ihre Familie ausreichend mit Lebensmitteln zu versorgen.

Kisten über Kisten, Säcke voll Obst, unzählige Packungen und Dosen, Berge von grünem Salat. Die Ausgabestelle der Mainzer Tafel ist voll von Lebensmitteln. Lebensmittel, die in Supermärkten, Bäckereien und auf Märkten übrig geblieben sind und die keiner mehr gekauft hätte – obwohl die Qualität einwandfrei ist. Unglaubliche Mengen, die ohne die Tafeln im Mülleimer gelandet wären. Vier Mal in der Woche öffnet der Laden für Menschen, die es sich aus verschiedenen Gründen nicht leisten können, sich selbst und ihre Familie täglich ausreichend und vor allem gesund zu ernähren – und das sind mehr Familien, als man glaubt. „Pro Woche versorgen wir hier im Moment rund 2000 Personen und es werden ständig mehr. Viele kommen, weil sie ihren Arbeitsplatz verloren haben, nach einer Scheidung mit weniger Geld auskommen müssen oder nur eine sehr kleine Rente empfangen“, weiß Adolf Reuter, Vorsitzender der Mainzer Tafel e.V. „Oft sind es aber auch Eltern kinderreicher Familien, die vorbeikommen und das günstige Angebot nutzen, weil gesunde Lebensmittel einfach sehr teuer sind.“

Zweieinhalb Tonnen pro Woche

Die Mainzer Tafel wird, wie viele andere der etwa 860 Standorte in Deutschland, vor allem von großen Supermarktketten versorgt. Aber auch kleine Läden und sogar Tankstellen geben ihre überschüssigen Lebensmittel gerne an die Tafeln weiter, die mittlerweile etwa eine Millionen Menschen überall in Deutschland unterstützen. Jeden Morgen holen ehrenamtliche Fahrer Waren vom Vortag ab und bringen sie in die Ausgabestelle, wo viele weitere freiwillige Helfer die Anlieferung zunächst genau prüfen und sortieren – denn nicht alles kann verwendet werden. Lebensmittel, die abgelaufen oder nicht mehr qualitativ einwandfrei sind, werden nicht ausgegeben, ebenso Waren, die Alkohol enthalten. Das ist für alle Tafeln in Deutschland Pflicht. Danach räumen sie die Waren in Regale und Kisten – jede Woche sind es etwa 2,5 Tonnen. Die Ausgabestelle sieht aus wie ein kleiner Supermarkt. Wenn dann um 10 Uhr die Tür öffnet, hat sich draußen meistens schon eine lange Schlange gebildet und das wird sich in den nächsten vier Stunden auch kaum ändern. Trotz des großen Andrangs ist die Stimmung immer gut, erzählt Reuter: „Die meisten kommen gerne hierher. Man kennt sich und kommt ins Gespräch, sei es mit Helfern oder anderen Einkäufern. Erstbesucher sind manchmal noch etwas unsicher, was sie hier erwartet, aber das legt sich schnell. Berührungsängste braucht hier niemand zu haben.“

Jeder Bedürftige wird versorgt – aber nicht ohne feste Regeln

Damit die Ausgabe reibungslos funktioniert, erhält jeder Besucher einen Tafel-Ausweis, der nachweist, dass er auch wirklich auf die Unterstützung angewiesen ist, also beispielsweise Sozialhilfe empfängt. Darauf ist auch vermerkt, wie viele Personen mitversorgt werden. Bei jedem Besuch zahlen Erwachsene ab 18 Jahren dann einen Euro, Kinder und Jugendliche nutzen das Angebot kostenlos. Diese Einschränkungen sollen sicherstellen, dass die Waren gerecht verteilt werden und dass bewusst eingekauft wird: „Die Idee ist nicht, dass wir hier einfach wahllos Lebensmittel an jeden verteilen. Wir möchten unsere Kunden vor allem dabei unterstützen, dass sie das Geld, das sie eigentlich für Lebensmittel ausgeben würden, für andere sinnvolle Zwecke nutzen können – vor allem für ihre Kinder“, erklärt Reuter, „Viele unserer Besucher sind Großfamilien und da reicht das Geld meistens nicht für die vielen Schulbücher und Kleider.“

Ohne ehrenamtliche Helfer geht es nicht

Die meisten der 170 Freiwilligen der Mainzer Tafel sind Rentnerinnen, Rentner, Hausfrauen und Arbeitslose, die sich in der Ausgabestelle oder als Fahrer engagieren. Ohne deren Hilfe wäre die Arbeit der Tafel nicht zu meistern: „Oft haben wir ausreichend Lebensmittelspenden, so viel Glück haben andere Tafeln nicht, vor allem in ländlichen Regionen. An helfenden Händen fehlt es uns aber immer. Deshalb freut es uns sehr, dass sich in den letzten Monaten immer mehr Leute engagieren wollen oder auch etwas Geld spenden, wenn sie nicht selbst vorbeikommen können“, berichtet der Vorsitzende. Vor allem aber die Zahl an jungen Helfern bei der Ausgabe sei gestiegen. Meistens kommen morgens Studenten vorbei, es gibt aber auch immer mehr Schüler, die gerne ein Praktikum machen möchten. Reuter freut das: „Es ist toll zu sehen, dass so viele junge Menschen ehrenamtlich aktiv sein wollen. Damit es weitergehen kann, brauchen wir aber noch viel mehr Nachwuchs in unserem Team. Jeder ist willkommen, denn jeder kann etwas tun!“

Wenn ihr Lust habt, eine Tafel in eurer Nähe zu unterstützen oder euch einfach informieren wollt, solltet ihr mal beim Bundesverband Deutsche Tafel e.V. vorbeischauen.