Wandern ist in den letzten Jahren zu einer immer beliebteren Freizeitaktivität geworden. Die steigende Nachfrage führt jedoch dazu, dass der Wanderer nicht mehr allein unterwegs ist: Die bekanntesten Routen muss er sich mit vielen anderen Reisenden teilen. Wem die großen Pilgerwege und Wanderrouten zu überlaufen sind, sollte auf lokale Wanderwege jüngeren Datums zurückgreifen. Ein solcher Weg ist der 144 km lange Sintfeld-Höhenweg im Süden des Paderborner Landes.

Der 2006 gegründete Rundweg besteht aus sechs eintägigen Etappen, die man sich vorab online anschauen kann. Wer nicht die vollen 144 km gehen will, kann auch mithilfe zweier Alternativrouten abkürzen. Ende Dezember bin ich mit meinem alten Schulfreund Carsten die zweite, 25 km lange Etappe des Weges gewandert. Startpunkt war in Wewelsburg und Endpunkt in Dahlheim.

Moderne Museen in alten Gemäuern

Diese zweite Etappe wird auch bei regio.outdooractive.com vorgestellt, denn das Reizvolle an dem Sintfeld-Höhenweg sind definitiv Start- und Zielpunkt. Im Dorf Wewelsburg kann man die namensgebende Burg besichtigen und sogar in ihr übernachten. Sie wurde im 17. Jahrhundert im Stil eines Weserrenaissance-Schlosses umgebaut und beherbergt heute das Kreismuseum. Bekannt ist das Kreismuseum nicht nur für seine lokalgeschichtliche Abteilung, sondern auch für seine modern konzeptionierte Dauerausstellung über die SS-Verbrechen im Zweiten Weltkrieg und die nationalsozialistische Nutzung der Burganlage.

In Dahlheim wiederum wurde vor wenigen Jahren ein Klostermuseum eröffnet, das nicht nur Einblicke in Ordenskultur und Klosterleben bietet, sondern auch durch regelmäßige Veranstaltungen und Sonderausstellungen hervorsticht. Beide Orte sind übrigens vom Paderborner Bahnhof aus mit dem Bus erreichbar. Man sollte jedoch beachten, dass die Busse nicht stündlich fahren.

Spuren der Geschichte entdecken

Wir starten unsere Wanderung morgens um 10 Uhr und nehmen prompt den falschen Weg, weil wir die grünen Markierungen mit den roten vertauschen. Beide gehören zum Sintfeld-Höhenweg, aber nur die roten führen uns zum Ziel. Wir verlieren wegen dieses kleinen Missgeschicks schon zu Beginn viel Zeit, die wir später aufholen müssen.

Wir lassen das Dorf mit seinen verträumt aussehenden Bauernhäusern hinter uns, entdecken mehrere verlassene Steinbrüche und wandern über bewaldete Anhöhen und durch naturbelassene Täler. Wir sind noch gar nicht lange unterwegs, da entdecken wir einen alten Schießstand aus Kriegszeiten. Viel ist nicht übrig geblieben, aber die Informationstafeln geben uns einen guten Eindruck davon, wie er einmal ausgesehen haben mag.

Dorfromantik im Altenautal

Am Nachmittag stoßen wir zum wirklich hübschen Altenautal vor. Jetzt haben wir die Chance, die verlorene Zeit wiedergutzumachen, denn der Sintfeld-Höhenweg führt in einem weiten Bogen um die Dörfer Henglarn und Atteln herum. Verlässt man den Wanderweg und durchquert beide Ortschaften, kann man ein wenig Zeit gutmachen.

Durch unsere Wegänderung haben wir das Glück, Henglarn von nahem zu sehen. Es besteht aus einer kleinen Ansammlung restaurierter Höfe und gepflegter Wohnhäuser. Wir werden bald zu Fachleuten der örtlichen Architektur und freuen uns über die hübschen Bruchstein-, Fachwerk- und Backsteinfassaden. Atteln sieht ganz ähnlich aus, besitzt aber zusätzlich einen überschaubaren Industriekomplex.

Ankunft in Dahlheim

Hinter dem Fabrikgelände treffen wir wieder auf den Sintfeld-Höhenweg, der geradewegs auf einen großen Wald zusteuert. Wir würden gerne rasten, zum Beispiel beim überdachten, teilweise rekonstruierten Steinkistengrab, das wir am Wegesrand entdecken. Allerdings schwindet das Tageslicht zusehends. Uns läuft die Zeit davon. Das ist schade, weil wir kaum Gelegenheit haben den überwältigenden Panoramablick über die verschlungenen Täler der Sauer und Altenau zu genießen. Die Landschaft hat hier eine sehr eigene, stille Atmosphäre.

Für uns beginnt der letzte Etappenabschnitt, der uns erst tiefer in den Wald hineinführt, bis wir schließlich auf eine weite, offene Fläche hinaustreten. In einer Talsenke können wir das Klostermuseum entdecken. Drumherum stehen dichte, hügelige Wälder, zwischen denen der Wind hindurch pfeift. Auf den nicht bewaldeten Flächen drehen sich die Rotoren unzähliger Windräder im letzten Abendlicht. Am späten Nachmittag stehen wir vor der alten Klosterpforte und beenden die zweite Etappe des Sintfeld-Höhenwegs.

Autor und Foto: Markus Lauert