In Deutschland existiert mittlerweile eine Vielzahl gut ausgeschilderter Wanderwege. Wie behält man da den Überblick? Für die meisten Wanderregionen wurde zwar detailliertes Kartenmaterial herausgegeben, allerdings bekommt man das erst vor Ort im Tourismus-Center. Für die Wanderer, die im Vorhinein planen und vorbereiten wollen, ist das zu spät.

Aber man muss nicht auf gut Glück ins Grüne fahren. Auf der Seite regio.outdooractive.com kann man sich rechtzeitig darüber informieren, welche Touren eingerichtet wurden, wie lang sie sind und welches Höhenprofil sie besitzen.

Mit meinem alten Schulfreund Carsten habe ich auf dieser Seite eine der vorgeschlagenen Wanderrouten ausgesucht. Elf Kilometer soll sie lang sein, von den Externsteinen zum Hermannsdenkmal führen und größtenteils einem Teilabschnitt des 156 km langen Hermannswegs folgen. Anfang Dezember fahren wir zum Startpunkt und beginnen um 10 Uhr bei trockenen Wetterverhältnissen und 8 bis 5 Grad Celsius unsere Wanderung. 

Naturerlebnis in winterlicher Einsamkeit

 

Wenige Meter hinter dem Parkplatz entdecken wir schon die Externsteine, eine beeindruckende Gesteinsformation aus Sandstein. Im Sommer sind die Felsen gegen eine kleine Gebühr begehbar. Im Winter hingegen hat das Kartenhäuschen geschlossen und nur der Weg zur kleineren Aussichtsplattform ist zugänglich. Von oben hat man einen wunderbaren Blick auf den verträumten Teutoburger Wald.

Schon vor hunderten von Jahren wurden die Externsteine bearbeitet. Obwohl sich viele Spuren dieser ersten Besucher erhalten haben, fallen eindeutige Datierungen schwer. Bis heute geben die Felsen mehr Rätsel auf, als man bisher mit wissenschaftlichen Methoden lösen konnte. Das führt dazu, dass gerade unter Esoterikern viele spekulative Theorien über die Externsteine kursieren.

Carsten und ich treffen jedoch nicht auf spirituelle Gäste, sondern bloß auf einen verschlafenen Graureiher und einige Bauarbeiter, die die Wege ausbessern. Erst im Wald entdecken wir eine in Holz geritzte Rune und ein kleines Zelt.

Touristischer Anziehungspunkt: Teutoburger Wald

 

Wir folgen den Wegmarkierungen und durchwandern die Orte Holzhausen-Externsteine und Berlebeck. Die Waldwege sind abwechslungsreich, sorgfältig ausgeschildert und gut begehbar. Ab und zu springen wir über Pfützen, aber größere Hindernisse müssen wir nicht überwinden.

Auch im Winter merkt man der Region an, dass sie für Touristen erschlossen wurde. Klug positionierte Sitzbänke und Informationstafeln laden nicht nur zum Rasten ein, sondern vermitteln auch geschichtliche Hintergrundinformationen über die Gegend. In Berlebeck kann man eine Adlerwarte besuchen und im Ort Schling, der etwas abseits des Weges liegt, befindet sich ein Vogelpark. Günstige Übernachtungsmöglichkeiten werden in den Jugendherbergen in Horn-Bad-Meinberg und Detmold angeboten.

Mittags kommen wir beim Hermannsdenkmal an. Auch hier sind wir allein. Die dichte Wolkendecke bricht auf und wir können uns denken, dass im Sommer Familien und Schulklassen Schlange stehen, um das Denkmal zu begehen oder im Kletterpark zu toben. Auf dem Berg gegenüber steht übrigens ein 290 Meter hoher Sendemast, den ich fast beeindruckender finde als das 1875 eingeweihte Denkmal.

Abseits des Hermannswegs

 

Wir rasten bei Sonnenschein direkt am Fuße des Denkmals, essen mitgebrachten Nudelsalat und brechen zügig wieder auf, um nicht auf dem Rückweg von der in wenigen Stunden einbrechenden Dunkelheit überrascht zu werden. Zunächst gehen wir auf dem Pfad zurück, den wir gekommen sind. Doch nordwestlich von Berlebeck schildern die Wegweiser eine alternative Route zu den Externsteinen aus. Wir werden neugierig und entscheiden uns spontan, den Hermannsweg zu verlassen, um tiefer in den Wald vorzudringen. Unser Weg, pragmatisch benannt mit „x6“, windet sich verschlungen durch den Wald, bis auf einer Lichtung die Ruine der Falkenburg in den letzten Sonnenstrahlen aufleuchtet. Bald darauf plätschert links von uns ein klarer Gebirgsbach vor sich hin und wir werden nach einem etwas längeren Aufstieg mit einer wunderbaren Aussicht auf Hügel und Dörfer belohnt.

Ab jetzt geht es gemächlich bergab und um 16 Uhr kommen wir wieder bei den Externsteinen an. Die Sonne ist längst verschwunden, die Bauarbeiter haben Feierabend und wir verlassen diese sehenswerte Wanderregion in dem Wissen, viele schöne, versteckte Orte noch nicht entdeckt zu haben.

Autor und Fotograf: Markus Lauert