Auf der UN-Kli­ma­kon­fe­renz entscheidet sich die Zukunft der Umweltpolitik. David Wagner von der BUNDjugend wird dabei sein. Er fährt mit den Klimapiraten nach Kopenhagen und will dafür sorgen, dass wichtige Klimaziele erreicht werden.

David, du bist Koordinator für internationale Projekte und Klimaschutz bei der BUNDjugend, was erwartest du vom Klimagipfel, der am 7.12. in Kopenhagen beginnt – Wie ist die politische Großwetterlage?
David: Wir glauben, vielen Politikern ist der Ernst der Lage nicht bewusst. Was die Entwicklung in den letzten 2-3 Wochen angeht, so ist unser Eindruck, dass die Erwartungen gezielt herunter gefahren werden. Indem man sagt, „ach wir machen da nur unverbindliche Sachen und es kommt eh nichts bei raus“. Denn wenn die Erwartungen quasi zerstört sind, kann man natürlich auch kleine Kompromisse schon als großen Erfolg verkaufen. So die Strategie einiger Politiker. Insofern finden wir es gut, wenn jetzt als Reaktion von vielen Staaten der Versuch unternommen wird, die Erwartungen wieder hochzufahren. Und das ist auch, was wir als BUNDjugend machen und auch die allgemeine Öffentlichkeit machen sollte. Die Erwartungen hoch halten.

Was sind denn positive Beispiele für Staaten, die sich Mühe geben?
David: Brasilien hat beispielsweise die Ansprüche wieder hoch gesetzt und sehr ambitionierte CO2-Reduktionsziele angekündigt. Die EU und Russland haben miteinander gesprochen und sich bewegt. Es tut sich also etwas in einer ganzen Reihe von Staaten. Dort geht es zumindest in die richtige Richtung und es wird etwas getan, um China und die USA unter Druck zu setzen. Das sind ja die beiden, die sich den schwarzen Peter zuschieben, nach dem Motto „solange du nichts machst, mache ich überhaupt gar nichts“. Es ist klar, dass ohne die beiden Länder nichts passieren wird. Aber wenn beispielsweise China zusammen mit Europa und anderen Schwellenländern bereit ist zu handeln, würde der Druck auf die USA enorm wachsen.

Was wird es vor Ort für Aktionen geben, um die Entscheidung zu beeinflussen? Bist du selbst in Kopenhagen? David: Ja, ich werde selbst mit der europäischen Kampagne „act now“ dabei sein– da werden wir mit 40 jungen Leuten im Konferenzzentrum sein und als Beobachter auch Medienarbeit machen und berichten. Das zweite ist eine Kampagne, die aus Deutschland von der BUNDjugend koordiniert wird: die Klima-Piraten. Da schippern wir mit zwei Segelschiffen mit 50 Leuten von Greifswald nach Kopenhagen.

Wichtig ist dann das Wochenende in der Mitte der Konferenz; insbesondere Samstag, der 12. Dezember 2009. Da werden wir uns mit Protesten einbringen und wenn sich jemand aus Deutschland noch beteiligen will, sollte er an diesem Aktionswochenende kommen. Wir machen unter anderem mit „Friends of the Earth International“ zusammen eine „menschliche Flut“ für Klimagerechtigkeit. Es werden also mehrere Tausend Menschen eine blaue Welle nachstellen und damit für mehr Klimagerechtigkeit demonstrieren. Danach gibt es außerdem eine allgemeine Demo, zu der alle Organisationen aufrufen und die riesig sein wird.

Kann man da jetzt noch mitmachen?
David: Ja klar, es gibt natürlich diverse Busse die aus Deutschland dort hinfahren (eine Liste dazu gibt es hier). Auch die Bahn ist nicht ganz schlecht, um nach Kopenhagen zu kommen. Und ansonsten: leiht euch ein Auto von den Eltern, packt vier Freunde ein und fahrt am Wochenende vom 11.-13. Dezember rüber nach Dänemark.

Welche Ziele hast du denn persönlich?
David: Als Klimapiraten und auch als BUNDjugend richten wir uns nicht nach strategischen Kompromisslösungen, wir wollen das erreichen, was sinnvoll und gut ist. Die Wissenschaft hat Klimaziele vorgegeben, um die Erderwärmung auf 2 Grad zu reduzieren. Das ist das Ziel der EU, das ist das Ziel der UN  - weil wir das Ziel ernst nehmen, sagen wir: Es muss alles getan werden, um das zu erreichen!

Das Interview führte Markus Kilp.
Foto: photocase.com | daniel.schoenen

Kommentare

moon_girl (nicht überprüft)

Wenn ich ehrlich bin mache ich mir immer mehr Sorgen, umso mehr ich über Kopenhagen lese. Obama kommt zwar vorbei, bleibt aber nicht für die wichtige Phase, Chinas Vorschläge sind weniger als halbherzig. Mir kommt es vor, als rennen wir sehenden Auges in das Verderben. Was muss denn noch alles passieren?

27. November 2009 - 9:06

deine Sicht, aber ich kann das schon verstehen. Ich frage mich, wie man das nicht sehen kann, was mit dem Klima passiert. Ich meine, die Daten sprechen für sich. Warum muss es immer nur um das Geld gehen? Haben die Entscheider, die alles blockieren denn keine Kinder?

27. November 2009 - 10:16
27. November 2009 - 10:50
hannes.p (nicht überprüft)

muss zumindest einen Anfang bringen und nicht wie in der Vergangenheit Kyoto nur eine blöde Show sein, die niemandem etwas bringt. Ich sage nur: Obama yes you can!

27. November 2009 - 11:17

hey Klimapiraten! Gute Fahrt am 05. Dezember!

27. November 2009 - 21:07

Drücke euch alle Daumen!

3. Dezember 2009 - 16:57

Kohlekraftwerk gecancelled...9 Mio. Tonnen CO2-Ausstoß pro Jahr verhindert...DONG Energy zieht sich aus Projekt bei Greifswald zurück. Der Aufsichtsrat von DONG Energy hat in seiner heutigen Sitzung den Rückzug von einer weiteren Teilnahme an den Untersuchungen für einen Kraftwerkbau in der Nähe von Greifswald in Norddeutschland beschlossen.

12. Dezember 2009 - 9:57

berechtigten Forderungen und dem was Politiker diskutieren, da frag ich mit dem folgenden Video: "how can politicians sleep, while our beds are burning":

14. Dezember 2009 - 19:44

.. allerdings sind die NGOs wie BUNDjugend und Friends of the Earth mittlerweile aus dem Konferenz Center ausgeschlossen:

16. Dezember 2009 - 21:16
18. Dezember 2009 - 14:05

"Obama enttäuscht und zögert Klimaschutz hinaus
Kopenhagen: "Die Rede von Barack Obama hat klar gezeigt: Seine Anwesenheit in Kopenhagen wird den Klimagipfel nicht zum Erfolg bringen. Statt ausreichende kurzfristige Klimaziele vorzulegen, will er uns minimale Reduktionsziele von vier Prozent als großen Beitrag für die Rettung des Planeten verkaufen", sagte Hubert Weiger, der Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Gefehlt hätten auch konkrete Finanzzusagen für Anpassungsmaßnahmen in den Entwicklungsländern. "Eine auf die lange Bank geschobene Klimapolitik ist ein Desaster für Millionen von Menschen. Sie warten seit inzwischen zwölf Jahren auf schnelle Fortschritte bei der Reduzierung der Treibhausgase", sagte Weiger. Die Welt brauche Riesensprünge, wenn sie Antworten auf den bereits stattfindenden Klimawandel finden wolle. Stattdessen trippele man auf der Stelle.

"Obamas Rede hat maßlos enttäuscht. Statt mit neuen Ideen zu kommen, wie die Verhandlungen vorangebracht werden könnten, wiederholte er die üblichen Allgemeinplätze", sagte Antje von Broock, Expertin für internationale Politik des BUND. Die Weltgemeinschaft warte auf die Übernahme von mehr Verantwortung der USA beim Kampf gegen den Klimawandel. Sie hoffe, dass Obama das Patt im eigenen Land überwinden könne, wo der Senat eine ambitionierte Klimapolitik blockiere. "Eine allgemeine politische Erklärung reicht nicht als akzeptables Kopenhagen-Ergebnis. Die Staats-Chefs, die jetzt in der Schlussrunde zusammensitzen, müssen für einen Durchbruch sorgen und mutige Beschlüsse für mehr Klimaschutz fassen", sagte von Broock."

18. Dezember 2009 - 14:24
aGreen (nicht überprüft)

Ich blick da langsam eh nicht mehr durch...

18. Dezember 2009 - 18:25
19. Dezember 2009 - 17:36