Lacrosse ist eine unglaublich dynamische und gleichzeitig sehr körperbetonte Sportart. Ihre Wurzeln liegen im Nordamerika des 12. Jahrhundert, die Indianer nannten den Sport „den kleinen Bruder des Krieges“. Wir sprachen mit Sebastian Scheidt, dem Pressewart des Deutschen Lacrosse Verbands über seinen Sport.

Lacrosse sieht unglaublich dynamisch und schnell aus. Wie schwer ist der Sport zu erlernen?

Sebastian Scheidt: Für die Basics benötigt man nicht viel, da reicht ein Stick (Spielgerät mit einem Netz am oberen Ende, um den Ball fangen, passen und schießen zu können) und ein Ball. Die ersten Gehversuche sind schnell erlernt und wie in jedem Sport ist dann die Weiterentwicklung stark von der Eigeninitiative, dem Trainingswillen und den Trainingsstrukturen im persönlichen Umfeld abhängig.

Ab wann kann man damit anfangen?

Sebastian Scheidt: Man kann bei uns bereits mit unter zehn Jahren beginnen Lacrosse zu spielen. Viele Vereine in Deutschland freuen sich über Jugendspieler, die den ersten Lacrosse-Stick in der Hand halten können, bevor zum Beispiel die Grundschule beendet ist. Darauf baut unsere Jugendarbeit und dort liegt auch die Zukunft unseres Sportes. Nur, wenn wir junge Spieler von klein auf für den Sport begeistern können und diese über Jahre hinweg aktiv Lacrosse spielen, können wir international auf höchstem Niveau mithalten. Den breiten Ligabetrieb gibt es im Jugendbereich dann in der Klasse U16. Dort können junge Spieler mit Erlaubnis der Eltern den Sport ausüben.

Wie viele Vereine und Lacrosse-Sportler gibt es in Deutschland?

Sebastian Scheidt: Wir haben aktuell 44 Vereine, die mit mindestens einer Mannschaft am jeweiligen Ligabetrieb teilnehmen. Dabei haben viele Vereine mindestens eine Herren- und eine Damen-Mannschaft. Einige Vereine stellen darüber hinaus eine zweite oder sogar dritte Mannschaft und auch Jugend-Mannschaften erfahren aktuell ein großes Wachstum. Dadurch entstehen auch im Bereich U16 und U19 bereits die ersten Ligen. 

Wie beginnt man mit dem Sport?

Sebastian Scheidt: Den einfachsten Einstieg bieten natürlich immer Freunde, die schon mit dem Sport in Berührung gekommen sind, sei es zum Beispiel bei einem Austausch in den USA, England oder natürlich über diverse Schnuppertrainings der Vereine. Wie gesagt, ist für das lockere Passen und Fangen und zum Erlernen der Basics im Umgang mit dem Spielgerät nur ein Stick, ein Ball und eine offene Wiese oder eben eine Wand notwendig. Viele internationale Profi-Sportler und auch die Top-Teams in Deutschland schwören auf das individuelle Training an der Wand, bei dem sich der einzelne Spieler mit Ball und Stick vor eine ausreichend große Wand stellt und sich dort den Ball schnellstmöglich und präzise zupasst. Das ist die wohl beste Übung, um ein Gefühl für das Spielgerät zu erlangen und die Reaktionsfähigkeit auszubauen.

Welche Ausrüstung brauche ich als Anfänger?

Um am Ligabetrieb teilzunehmen ist im Damen-Bereich ein Stick und ein Mundschutz Pflicht. Darüber hinaus benötigt man geeignetes Schuhwerk für Rasen oder Kunstrasen und eben Sportbekleidung. Im Herrenbereich ist die Ausrüstung schon etwas umfangreicher, da es sich dort um einen Vollkontaktsport handelt, ähnlich dem Eishockey. Dort ist es Pflicht, neben dem Stick einen Helm und einen Tiefschutz, sowie Handschuhe zu tragen.

Wie teuer ist die Lacrosse-Ausrüstung?

Sebastian Scheidt: Man kann sich im Herrenbereich bereits für ca. 120 Euro ein komplettes Paket zusammen stellen, in dem die komplette Pflichtausrüstung enthalten ist. Im Damenbereich bekommt man bereits für ca. 40-50 Euro ein Starter-Set.

Ist Lacrosse auch auf der Wiese mit Freunden spielbar?

Sebastian Scheidt: Lacrosse ist überall spielbar, ob auf der Wiese, im Freibad, am Strand oder eben auf dem Vereinsgelände. Denn Lacrosse macht auch abseits des Spielfeldes und ohne Tore Spaß. Sich mit Freunden den Ball zuzupassen, ohne Punkte zu zählen, ist gleichsam Training wie Spaß.

Fünf Facts über Lacrosse

1.) Eine Mannschaft besteht aus zehn Spielern (drei im Angriff, drei im Mittelfeld, drei in der Verteidigung und ein Torwart.

2.) Das Spielfeld misst 55 x 100 Meter und das Tor ist quadratisch 1,83 x 1,83.

3.) Gespielt werden 4 mal 20 Minuten.

4.) Der erste offizielle Club wurde 1856 in Montreal Kanada gegründet, seit 1994 ist Lacrosse dort übrigens Nationalsport.

5.) Lacrosse war mal olympisch und zwar 1904 in St. Louis und 1908 in London.