Im Prinzip ist das Longboard die Urform des Skateboards und entsprang der puren Surfer-Faulheit. Nachdem die langen Bretter viele Jahre lang nur von Szeneinsidern genutzt wurden, ist seit zwei Jahren der Hype enorm.

Ende der 50er Jahre suchten die Surfer in Kalifornien nach einer neuen Freizeitbeschäftigung bei Windflauten und einem bequemen Fortbewegungsmittel. Irgendwann kamen sie auf die Idee, Surfbretter einfach mit Rollen zu versehen und damit war das Longboard als Vorläufer des Skateboards geschaffen. „Es ist natürlich klar, dass die ersten Boards aussahen wie die Bretter der Surfer. Kleiner wurde das Ganze erst, als die Surfer begann Tricks an Land zu fahren“, erklärt Markus Burzinski. Der Hamburger ist nicht nur Geschäftsführer des Skateladens Subvert, sondern selbst leidenschaftlicher Long- und Skateboarder. Mit der Ausbreitung der Szene über die ganze Welt wurden die Boards immer kürzer und die Tricks riskanter. Die Skater nutzten beispielsweise leere Schwimmbecken für Sprünge und entwickelten daraus Halfpipes und Miniramps. Mit zu langen Brettern waren Tricks wie die Ollies, die Sprünge mit Board in der Luft, nicht möglich, darum verschwanden die Longboards in ihrer Form erst einmal von der Bildfläche. Die neue Skateboardindustrie konzertierte sich voll auf den neuen Markt und schuf einen gesamten Lifestyle aus Sneakern, Kleidung und natürlich Brettern.

Wiederentdeckung der Langsamkeit

Seit rund sechs Jahren ist das Longboard nun wieder auf der Bildfläche erschienen und erfreut sich auch außerhalb der Szene wachsender Beliebtheit. Von einem Surfbrett mit Rollen ist heute nur noch wenig zu sehen, vielmehr handelt sich um gefederte Bretter mit besonders breiten Achsen und dicken Rädern und einem raffinierten Lenkmechanismus. „Das Longboard ist ein gemütliches Fortbewegungsmittel, das oft als Einstieg zum eigentlichen Skateboardfahren genutzt wird“, erklärt Markus. Der Einstieg ist leichter, weil die Longboards mit ca. 1 - 1,20 Metern nicht so quirlig sind wie Skateboards. Auch über Kopfsteinpflaster oder schlechte Straßen kann man mit den dicken Rädern problemlos fahren. Für viele Fans ist das Longboard deshalb zu einem perfekten Fortbewegungsmittel geworden. „Man fühlt sich quasi als Straßensurfer“, beschreibt Markus. „Je länger das Board, desto bequemer ist auch die Fahrt.“ An seinem Hamburger Laden trifft man sich sogar jeden Mittwochnachmittag zu einer Stadttour auf dem Longboard. Nicht nur in Amerika, sondern auch in Hamburg oder Berlin gibt es inzwischen sogar Pendler, die das Brett für den Weg zur Arbeit nutzen.

Schutzkleidung ist gerade in der Stadt wichtig

Ob nun im Berufsverkehr oder beim Spazierenfahren, man sollte auf gar keinen Fall auf die richtige Schutzkleidung verzichten. „Trotz der einfachen Zugänglichkeit und der hohen Kontrollierbarkeit des Bretts sollten gerade Anfänger Helm, Knie- Ellbogen- und Handgelenkschützer tragen“, rät auch der erfahrende Longboarder. Besonders gilt diese Empfehlung für alle Fahrer, die auch auf dem langen Brett nicht auf den Nervenkitzel und die Tricks verzichten möchten. „Es gibt zum Beispiel das Dancen, das sind einfache Schrittfolgen auf dem Board während der Fahrt oder das Sliding, das Fahren von 180 Grad Drehungen mit dem Board. Bei all diesen Tricks geht es viel um Gleichgewicht“, erklärt Markus die Varianten für fortgeschrittene Fahrer.

Gute Beratung für mehr Longboardspaß

Wer sich selbst ein Longboard anschaffen will, sollte zu einem Fachhändler gehen. Die Modelle, die in den meisten Kaufhäusern angeboten werden, sind einfach nur längere Bretter mit ein paar normalen Skateboardachsen darunter. „Fahrspaß hat man mit diesen Billigvarianten nicht“, ist sich Markus sicher. „Eine gute Beratung und Topmaterialien sollten es schon sein.“ Stolze 200 Euro sind dafür ein Minimum, allerdings hält dafür das hochwertige Board sehr lange, auch weil die typischen Skateboardunfälle wie Achsen- oder Brettbrüche selten sind.

Longboarding Girls Crew - auch ein Gemeinschaftssport