Wer kennt das nicht? In den Stadtführern stehen nur Bars, in denen Touristen sitzen und die angeblichen Geheimtipps sind längst keine mehr. Das gibt es beim neuen Youpodia Pop-Guide garantiert nicht. Denn hier kommen die Tipps von echten Insidern der Szene ihrer Stadt: von jungen Bands. Diesmal geht es mit Kafka Tamura nach Leipzig.

1.) Die Liebeserklärung:

Was macht die Stadt für dich so besonders?

Gabi:Leipzig hat für mich einfach eine große persönliche Bedeutung. Hier hab ich seit dem Abitur die wichtigsten und prägendsten Zeiten meines Lebens verbracht. Viele Freunde und Bekannte leben hier. Du gehst durch die Strassen und triffst Menschen die du kennst, das mag ich. Außerdem ist Leipzig authentisch und bodenständig, niemand hat es nötig den anderen zu beeindrucken. Man hat kein Geld und das ist auch gut so. Leipzig ist nicht schick, Leipzig ist schmutzig und hat schlechte Straßen. Leipzig denkt anders, Leipzig geht Umwege.

Patrick: Leipzig hat seit meiner Jugend eine große Bedeutung für mich, es liegt nah an meiner Heimat, hier besuchte ich meine ersten Konzerte, hier spielte ich meine ersten Konzerte mit eigenen Bands und hier hatte ich meine erste eigene Bude. Leipzig ist bodenständig, wunderschön und herlich günstig - es lässt sich hier einfach hervorragend leben.

Welche Songs beschreiben deine Lieblingsstadt am besten?

Gabi: All die schönen Songs der Leipziger Musikszene von Bands wie Talking To Turtles, Jakob Hummel, Doc Foster Band, Two Wooden Stones, David Jonathan, A Forest, Micronaut … um nur einige zu nennen. In ihrer Musik hörst du die Stadt. Sie bietet ihnen den Boden für ihre Kunst.

Patrick: Ich liebe Leipzig. Meine eigentlichen Lieblingstädte sind jedoch Lissabon und Santiago de Cube und ich hoffe dort irgendwann für einige Zeit leben zu können. Die Musik die ich damit verbinde ist einerseits Fado und andererseits Son.

2.) Sightseeing:

Welche drei Sehenswürdigkeiten sollte ich als Tourist auf jeden Fall gesehen haben?

Gabi: Sehenswürdigkeiten sind out. So wirst du Leipzig nicht kennenlernen. Geh lieber zu MC Storch in der Georg-Schwarz-Strasse und setz dich bei Bier oder Brause an den Tresen, melde dich im Honolulu zum Lehmbaukurs an oder lerne dort deine Unterwäsche selbst zu Nähen und dich nachhaltig zu kleiden (honolululeipzig.blogspot.de). Dort triffst du wahre Leipziger, lernst die geheimen Sehenswürdigkeiten kennen und erlebst Dinge, die dich noch in 20 Jahren an deine Leipzigreise denken lassen.

Patrick: Komm nicht als Tourist nach Leipzig. Touristen sind laut und peinlich und verpassen meist das Schönste weil sie die Welt über den Bildschrim ihres Smartphones betrachten. Komm lieber als Gast, als Reisender, als Entdecker. Setz dich irgendwo hin und warte was der Tag dir bringt oder lauf quer durch die Stadt - du wirst mit Sicherheit etwas Interessantes entdecken.

Welche Orte sind völlig überschätzt?

Gabi: Die Red Bull Arena. Wenn du allerdings Fan von Helene Fischer und Mario Barth bist, dann nichts wie hin da! Höfe am Brühl - nur eine weitere Shoppping-Meile in einer weiteren Stadt. Gehe dorthin, und du verlässt Leipzig.

Patrick: Keine Ahnung - dazu kann ich wirklich nichts sagen.

Was zeigt ihr euren Gästen als erstes von der Stadt?

Gabi: Parks/ Gewässer/ Leipzigs Strassen/ meine Wohnung

Patrick: Ich habe selten Gäste und wenn dann kommen sie vor allem zu mir nach Hause, ich zeige ihnen dann wo und wie ich lebe, koche für sie und wir hören Musik oder sprechen über neue Ideen und Projekte.

3.) Kultur:

In welches Museum sollte man gehen?

Gabi: Das Museum der bildenden Künste in Leipzig kann so einiges.

Patrick: Ich gehe tatsächlich relativ selten ins Museum. Mit Kunst und Kultur beschäftige ich mich hauptsächlich in Ruhe zu Hause - im Museum bin ich da meist eher etwas überfordert und gestresst.

Wo kann ich die jungen Bands der Stadt entdecken?

Gabi: Wärmehalle Süd.

Patrick: Mein Interesse für junge Bands ist in letzter Zeit nicht sonderlich groß. Ich weiß Leipzig hat eine tolle Musik Szene und das ist wunderbar - wenn dich das interessiert geh in ein paar Kneipen und quatsch mit den Leuten die du dort triffst - sie können dir sicher bessere Tipps geben.

4.) Kulinarisch:

Welche Spezialität muss ich unbedingt probieren?

Gabi: Sternburg Bier - eine feine lokale Bierspezialität für Leute mit feiner Zunge, sensiblem Gaumen und rustikalem Magen.

Patrick: Ich kaufe Lebensmittel ausschließlich auf dem Wochenmarkt welcher Dienstags und Freitags entweder auf dem Marktplatz oder auf dem Opernplatz zu finden ist - regionale Produkte, faire Preise und freundliche Verkäufer die mit Leidenschaft dabei sind - das ist wirklich ein tolles Erlebnis und leckere Sachen gibt es dort in Hülle und Fülle.
 

Wo kann ich gut und günstig essen?

Gabi: Vöner in Plagwitz.

Patrick: Wie gesagt - kauf auf dem Markt ein und koche selbst mit deinen Freunden -besser und günstiger geht’s nicht.

5.) Shopping:

Wo kriege ich die coolsten Klamotten der Stadt?

Gabi: Hilde Tanzt (Georg-Schwarz-Straße) - 2nd Hand - 1st Class.

Patrick: Alter - „die coolsten Klamotten“ - da bin ich echt raus.

Wo kann ich meine Musiksammlung erweitern?

Gabi: Im HAFEN in der Merseburger Straße.

Patrick: Beim Hafen (Analogsoul) in der Merseburger Straße gibt es reichlich Platten von guten lokalen Bands und auch sonst allerlei hübsche Dinge. Ansonsten kann ich noch den Musik Shop im Gewandhaus empfehlen.

6.) Nachtleben:

Wo beginnt ihr eure Streifzüge durch die Nacht?

Gabi: Sie beginnen im Bad und führen über den Flur direkt in Bett.

Patrick: Aus dem Alter bin ich raus.

Wo kann ich am besten feiern gehen?

Gabi: Im Leipziger Süden und Westen gibt es viele gute Bars um sich aufzuwärmen und in laufweite Clubs und Konzertlocations um den Abend gebührend abzuschließen.

Patrick: Ich mach das meist zu Hause mit einer Flasche Rum, Bananen Chips, Cello Suiten von Bach und meiner Frau neben mir.

 

Das aktuelle Video der Band:

Text: Birk Grüling; Bild: Kafka Tamura