Eine Kunstgalerie im Fußballstadion? Klingt komisch, gibt es aber wirklich. Ende September hat im Millerntor, der Heimat des FC St. Pauli, die erste dauerhafte Kunstausstellung in einem Stadion eröffnet. Die „Millerntor Gallery“ verknüpft nicht nur Kunst und Fußball miteinander, sondern dient gleich noch einem sozialen Zweck.

Fußballfans und Kunstliebhaber – unterschiedlicher können zwei Gesellschaftsgruppen eigentlich gar nicht sein. Auf der einen Seite stellt man sich biergeschwängerte Trikotträger vor, die laut grölend ihre Mannschaft nach vorne peitschen und auf der anderen die bedächtigen Vertreter, die im schwarzen Rollkragenpullover beseelt von Rotwein und Free-Jazz durch Museumsräume schlendern. Wenn man diese beiden so unterschiedlichen Gruppen zusammenbringen kann, dann geht das wahrscheinlich nur in einem Verein wie dem FC St. Pauli. „Wir wollen uns mit der Millerntor Gallery bei den Fans bedanken“, erklärt Kurator Michael Fritz. „Ohne sie wären wir nicht dort, wo wir heute sind.“ Damit meint der 28-Jährige nicht nur die Kunstausstellung, sondern auch die Organisation dahinter, nämlich Viva con Agua. Die Trinkwasser-Organisation wurde von dem Ex-Pauli-Spieler Benni Adrion gegründete und ist fest mit der Kultur des Vereins und des Stadtteils verbunden.

Mit den altgedienten Fans fing alles an

Es ist deshalb auch kein Wunder, dass der Ursprung der Idee auf einen echten Pauli-Fan zurückgeht. Der Künstler und Fotograf Henning Heide hatte den alten Stamm von St.Pauli-Fans und Spielern porträtiert und suchte nun für seine Bilder einen geeigneten Platz. „Da sind wir auf die Idee gekommen, das Millerntor als Raum einzubeziehen“, erklärt Fritz. Sein Kollege und Pressesprecher von Viva con Agua Christian Wiebe erklärt den Schaffensprozess sehr bildhaft: „Man schmeißt verschiedene Personen in einen Raum, in diesem Fall die Promenade unter der Haupttribüne, lässt sie ihre Fähigkeiten, Talente und jegliches Potential entfalten – und das für sauberes Wasser weltweit"! Die ersten Künstler, die ihre Werke unter der Haupttribüne ausstellen durften, stammen aus dem Umfeld der Hilfsorganisation. Unter ihnen sind zum Beispiel die beiden Seeed-Mitglieder Boundzound und Demba, Fotograf Henning Heide und Streetart-Künstler wie Triggerfinger. Ihnen wird die Möglichkeit gegeben, sich einem großen Publikum zu präsentieren, immerhin fasst die Haupttribüne knapp 4.000 Leute. Die ausgestellten Bilder können alle auch käuflich erworben werden, ein Teil der Einnahmen daraus gehen an Viva Con Agua.

Erlöse für einen guten Zweck

Die Reaktionen der Fußballfans sind bisher durchweg positiv. „Es ist kein Bild kaputt gegangen und die Leute bleiben stehen, machen Fotos und lesen sich die Infotafeln durch“, ist auch der Kurator begeistert. „Auch von Seiten des Vereins gab es nur positives Feedback.“ Dadurch bestärkt soll die Gallery zu einem langfristigen Projekt werden. Zwei bis drei Vernissagen mit wechselnden Künstlern sind pro Jahr geplant, genauso wie mögliche Events wie Konzerte oder Lesungen. „Vielleicht können wir ja sogar das ganze Stadion zu einem Ort der Kunst machen“, überlegt Fritz. Gespräche darüber wird es mit dem Verein Anfang des neuen Jahres geben.

Geöffnet ist die Millerntor Gallery bei jedem Heimspiel des FC St. Pauli. Den Zugang zur Gallery findet ihr bei der Südtribüne/Ecke Haupttribüne. Übernachten könnt ihr bei weiterer Anreise natürlich am besten in den Hamburger Jugendherbergen.