Ein bisschen Robin Hood: Bogenschießen

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Sich einmal wie Robin Hood fühlen, dürfte die Motivation vieler junger Bogenschützen sein. Seit Jahren wird die Sportart immer beliebter, denn sie hat nicht nur eine lange Tradition, sondern trainiert auch Koordination und Konzentration.

Manfred Meyer ist Freiberuflicher A-Trainer Leistungssport des DSB und gibt regelmäßig Anfänger- und Fortgeschrittenenkurse in einem ausgeschriebenen Seminarprogramm der Jugendherberge Alfsee. „Bogenschießen kann erst einmal jeder, und es macht eigentlich auch allen Spaß“, erklärt Meyer gleich am Anfang des Gesprächs. Auch wenn Bogenschießen eine technisch anspruchsvolle Sportart ist, fällt der Einstieg nicht schwer. Mit leichten Holzbögen, ohne große technische Bestückung, lernen die Anfänger in den Kursen die Grundlage des Bogensports kennen. „Ich erzähle etwas zu den geschichtlichen Hintergründen und zeige ihnen, wo oben und unten, hinten und vorne ist“, schmunzelt der Trainer. „Erfolge stellen sich dann schon von ganz alleine ein. “Was er damit meint, wird schnell klar. Das erste Mal lasse ich den Pfeil los und sehe zu, wie er in Richtung Zielscheibe davonschießt. Spätestens nach meinem ersten Treffer bin ich dann vollends hin und weg.

Beide Gehirnhälften werden aktiviert

„Der Körper richtet sich vor dem Schuss auf, nimmt Spannung an und entspannt sich wieder nach dem Abschuss des Pfeils. Wichtig ist es dabei, auf die Atmung zu achten“, erklärt Meyer den Ablauf. Hält man sich an diese Anweisungen, spürt man die Kraft und Konzentration, die von dem auf den ersten Blick statisch wirkenden Sport ausgehen kann. „Bogenschießen fördert Körper und Geist und führt beide Gehirnhälften zusammen. Ich würde deshalb ohne Frage sagen, dass diese Sportart sehr ganzheitlich ist“, erzählt der Trainer weiter. Wieder verlässt mein Pfeil den Bogen und landet nur knapp neben der Zielscheibe. Doch wie lange braucht man eigentlich, um ein guter Bogenschütze zu werden? Bei dieser Frage schmunzelt Meyer: „15 bis 20 Jahre kann das schon dauern. Langweilig oder gar deprimierend wird es trotzdem für den Schützen nie. Jede Lernphase hat ihre besonderen Herausforderungen.“ Als Anfänger freut man sich noch über jeden Schuss ins Gold. Danach kann man aber noch an der Kontinuität der Treffer oder an dem Abstand zur Zielscheibe arbeiten.

Ein Probetraining als idealer Einstieg

Wer sich für den Bogensport interessiert, muss nicht unbedingt zum Alfsee fahren. Inzwischen ist die Sportart deutschlandweit so verbreitet, dass es in fast jedem Landkreis einen Verein mit Möglichkeiten für ein Schnuppertraining gibt. „Der ideale Einstieg ist ein Probetraining mit individueller Betreuung durch einen Trainer in einem Verein oder vielleicht auch in der eigenen Schule“, empfiehlt Meyer.

Zum ersten Training braucht man nicht einmal eine große Ausrüstung. Bequeme Kleidung und festes Schuhwerk reichen zunächst völlig aus. Den Bogen und die Pfeile können sich Anfänger bei den Vereinen vor Ort ausleihen. Wer auch nach drei oder vier Trainingsstunden immer noch Gefallen an der Sportart findet, kann sich dann als Vereinsmitglied oder im Fachhandel auch einen Bogen leihen. Die Leihgebühr liegt zwischen 60 und 100 Euro für ein halbes Jahr.

Dazu kommen Finger- und Armschutz sowie gegebenenfalls ein paar eigene Pfeile. Ohne diese Schützer kann es schnell zu Blutergüssen und Prellungen kommen. Der Fingerschutz verhindert Verletzungen beim Spannen des Bogens und ist besonders bei langen Trainingseinheiten unumgänglich. Insgesamt müssen Einsteiger mit Kosten von zirka 150 Euro rechnen.

Drei Varianten zur Auswahl

Nach einigen Wochen oder Monaten im Training können sich die Sportler für die verschiedenen Varianten des Sports entscheiden. Freunde von Robin-Hood-Filmen wählen wahrscheinlich traditionelle Langbögen, bei denen ganz auf sämtliche technische Hilfsmittel verzichtet wird. Die häufigste Art des Bogenschießens ist die olympische Form. Hierbei ist der Bogen mit einigen technischen Hilfsmitteln wie Stabilisator und Visiereinrichtung ausgestattet. Die Hightechvariante ist der Compoundbogen. Der Bogen hat zum Beispiel eine Wasserwaage integriert und wird über Rollen an den Enden des Sportgeräts gespannt. Wie umfangreich dabei die Ausrüstung letztendlich ist, entscheidet der eigene Anspruch – zwischen 300 bis 2000 Euro sind da dem Sportsgeist kaum Grenzen gesetzt. Davon sind wir an diesem Tag aber noch weit entfernt. Während der nächste Pfeil meinen Bogen verlässt, bremst Manfred Meyer meine olympischen Ambitionen schmunzelnd: „Heute geht es nur um den Spaß und das Gefühl für das Sportgerät. Mit etwas Ehrgeiz, Geduld und einem guten Trainer kommt der Rest mit der Zeit – und mit viel Übung.“

 

Weitere Infos und Kontakt:

Manfred Meyer, Freiberuflicher A-Trainer DSB und Begleitender Kinesiologe  hat lange Jahre als Trainer in einer Trainergruppe im Landesverband Nordwest gearbeitet und gibt heute an der Jugendherberge am Alfsee (Osnabrücker Land) mit seinem Trainerkollegen B-Trainer Walter Bruns Seminare zum Thema Bogenschießen und Kinesiologie und Einzelunterricht. Im Einzelunterricht können Fehler unmittelbar analysiert und entsprechend korrigiert werden. Der Einzelunterricht findet außerhalb der vorgegebenen Seminartermine statt. Weitere Seminare zum Thema können  über die Jugendherberge am Alfsee (Telefon: 0 54 64 / 92 08 11) oder den DJH Landesverband gebucht werden.