Zu den sechszehn schönsten Wanderwegen Deutschlands gehören die 226 km langen Hermannshöhen, die von Rheine nach Marsberg führen. Der Wanderweg durchquert den Teutoburger Wald und das Eggegebirge um schließlich im Sauerland zu enden. Er wurde 2004 ins Leben gerufen und umfasst die beiden älteren Wanderwege Hermannsweg und Eggeweg.

Gerade die zehnte Etappe der Hermannshöhen lohnt sich, denn sie führt von dem Berg Velmerstot zur Wanderhütte Schöne Aussicht, von der man ganz Bad Driburg überblicken kann. Außerdem ist sie leicht mit dem Zug zu erreichen: Der Bahnhof von Leopoldstal liegt nur wenige Kilometer vom Startpunkt und der von Bad Driburg vom Endpunkt entfernt. Die Züge fahren jeweils stündlich in beide Richtungen. Via regio.outdooractive.com lässt sich die Wanderung bequem von zu Hause aus planen. 

Ein Berg, zwei Kuppen

Schon der Startpunkt ist ein besonderer Ort: Die Velmerstot, es heißt tatsächlich „die Velmerstot“, besitzt eine Kuppe im Norden und eine etwas höhere, 464 Meter über dem Meeresspiegel liegende im Süden. Sie ist somit der höchste Berg des gesamten Eggegebirges. Die Kuppen könnten kaum unterschiedlicher sein. Auf der ersten erwartet den Wanderer eine offene, felsige Heidelandschaft.

Geht man den Weg jedoch weiter an vielen Abhängen und kleinen Gesteinsformationen vorbei, kommt man zur zweiten Kuppe. Sie ist mit Gras bewachsen und auf ihr steht ein hölzerner Aussichtsturm. Von dort können die Wipfel aller Fichte und Rotbuchen überblickt werden. Dem Besucher bietet sich ein wunderbarer, kilometerweiter Blick über das Weserbergland und das Lipperland. Bei gutem Wetter ist auch das Hermannsdenkmal zu sehen.

Blütenpracht im Unterholz

Hinter dem Aussichtssturm taucht der Weg in den tiefen, dichten Wald ab. Mehrere Stunden lang führt er den Wanderer zwischen die Stämme hindurch und verläuft insbesondere auf diesem Abschnitt fernab von den Siedlungen. Die Menschen haben das Eggegebirge wegen der schlechten Wetterverhältnisse und starken Niederschläge gemieden und sich in den Tälern angesiedelt, sodass die Natur auf den Bergrücken fast ungestört blieb.

Wer Ende April oder Anfang Mai hier spazieren geht, wird Waldmeister, Veilchen und andere kleine Blüten im Unterholz blühen sehen. Bevor die Baumkronen Blätter tragen und kein Licht mehr auf den Boden lassen, nutzen die Blumenteppiche die Chance, sich in ihrer schönsten Pracht zu zeigen. Dass sich die Natur im Eggegebirge entfalten kann, hängt auch damit zusammen, dass Naturschutzgebiete eingerichtet wurden. Folgt man dem Eggeweg, stolpert man förmlich von Schutzgebiet zu Schutzgebiet. Wildtieren hingegen wird man kaum begegnen. Sie sind zwar in den Wäldern beheimatet, jedoch besonders tagsüber sehr scheu.

Eisenbahngeschichte am Wegesrand

Immer dort, wo die Stämme Platz machen für eine Lichtung, bietet sich dem Wanderer ein wunderbares Panorama aus verschlungenen Tälern, kleinen Bergen und bewaldeten Hügeln. Ungefähr nach der Hälfte des Weges führen Pfade rechts ins Tal zum Dorf Altenbeken hinab. Natürlich ist das ein Umweg, aber gerade Eisenbahnfans sollten ihn auf sich nehmen. Die Gemeinde ist nämlich nicht nur ein Eisenbahnknotenpunkt: Die imposante, örtliche Eisenbahnbrücke – der Altenbekener Viadukt – ist mit seinen 482 Metern und 24 Bögen Europas längste Kalksandsteinbrücke. Er wurde 1853 fertiggestellt und ist Symbol für die Verknüpfung der Ortsgeschichte mit dem Aufstieg der Eisenbahn. Gerade in den Abendstunden eignet er sich als wunderbares Fotomotiv. Halogendampflampen tauchen ihn in ein goldenes Licht.

Von Hütte zu Hütte

Der Eggeweg jedoch orientiert sich konsequent am Verlauf des Eggegebirges und führt nicht nach Altenbeken hinab. Für den Fall, dass das Wetter einmal nicht mitspielt, wurden mehrere Unterstände am Wegesrand aufgestellt. So endet die Etappe oberhalb Bad Driburgs an einer Hütte, die pragmatischer Weise Schöne Aussicht genannt wurde. Von hier lässt sich Bad Driburg aus der Vogelperspektive betrachten. Der Kurort bietet eine Reihe an Sehenswürdigkeiten an. Beispielsweise liegt die Iburg, eine alte Ruine aus den Sachsenkriegen Karls des Großen, in unmittelbarer Nähe zum Wanderweg.

Diese Mischung aus Geschichtserlebnis und Naturerfahrung steht stellvertretend für die gesamte Strecke der Hermannshöhen. Kein Wunder also, dass dieser Wanderweg zu den sechszehn schönsten Deutschlands zählt. 

Text: Markus Lauert

Bild: Markus Lauert, zugeschnitten