Aufrunden bitte!?

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Hilfsorganisationen werben seit Jahren mit demSpruch "jeder Cent hilft" um Spenden für soziale Projekte im In- und Ausland. Der ehemalige Bertelsmann-Manager Christian Vater nimmt sie beim Wort und hat die Aktion "Aufrunden bitte!" entwickelt.

Viele von uns fragen sich in diesen Tagen, teilweise vom Spendenjungle verwirrt und durch wiederkehrende Berichte über Veruntreuung und sonstige Tricks kritisch geworden, was hinter der Aktion "Aufrunden bitte" steckt. In den Foren und Blogs im Internet wird schon eifrig diskutiert - geniale Sammel-Idee oder eher billige Imagepolitur für die großen Handelsketten?

So funktioniert's

Mit den beiden Wörtern "Aufrunden bitte" kann man seit Anfang des Monats an den Kassen vieler Einzelhändler wie z.B. Douglas, Penny oder WMF automatisch und ohne große Mühe ein paar Cents an gemeinnütige, soziale Projekte spenden. Ein kleiner blauer Aufkleber an den Kassen weist darauf hin. Zum Konzept des Projektes gehört, dass die Kassierer die Kunden nicht aktiv dazu auffordern oder nachfragen. Wer aber von der Aktion weiß und die zwei "Zauberwörter" benutzt, dessen Endbetrag wird an der Kasse in 10er Schritten aufgerundet. Statt 9,56 bezahlt man dann zum Beispiel 9,60.

Was kommt wo an?

Laut "Deutschland rundet auf" wird der Spendenbetrag über die Kassensysteme der Händler centgenau erfasst und zu 100% an die Organisation weitergeleitet. Diese wiederum leitet die Spendenbeträge dann zu ebenfalls 100% an soziale Projekte weiter: Zum Start 2012 an ein Projekt, das jugendlichen Eltern aus sozial schwachen Schichten Hilfe anbietet. Generell sollen die Spenden an inländisch agierende Vereine und Projekte gehen. Beim Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen, die das Spendensiegel vergibt, hört man solche Versprechen bezüglich vollständiger Mittelweitergabe natürlich immer erst einmal mit einer gesunden Portion Skepsis.

Den allerwenigsten Organisationen gelingt es, keinen Teil der Spenden auch für Eigen- und Verwaltungszwecke, z.B. für Marketing, zu benutzen. Zuletzt waren die Macher des youtube-Videos "Kony 2012" deswegen in der Kritik: Der Großteil der Spenden soll hier angeblich für die Produktion der Werbefilme drauf gegangen sein oder in die Taschen der Macher fließen. "Deutschland rundet auf" setzt auf ein anderes System: Die teilnehmenden Handelspartner selbst unterstützen und ermöglichen durch Gebühren die Umsetzung und Fortführung der Aktion. So müssen dafür keine Spendengelder abgezwackt werden.

Insofern scheint es, dass man dank Transparenz & professioneller Planung von "Aufrunden bitte", tatsächlich mit wenigen Cents und über einen seriösen Partner helfen kann. Der Hintergedanke ist ja auch berechtigt - ein paar Cents an der Kasse spendet man viel schneller, als z.B. einen größeren Betrag über das Internet.

Imagepolitur für KiK & Co.?

Doch die Liste der Partner von "Deutschland rundet auf", die sich jetzt imagewirksam für soziale Hilfe einsetzen, besteht nicht nur aus Unternehmen, die bisher sonderlich damit aufgefallen wären, zu ihrer sozialen Verantwortung zu stehen. Besonders zu nennen ist sicherlich KiK. Auch hier kann man aufrunden lassen - wofür sich KiK in der entsprechenden Pressemeldung natürlich auch ordentlich selbst feiert. Noch nicht vergessen haben dürften aber Viele von uns die Aufsehen erregende Reportage der ARD, die seinerzeit die unfassbaren Arbeits- und Lebensumstände der KiK-NäherInnen z.B. in Bangladesch aufdeckte.

Auch für Lohndumping und die Verhinderung von Betriebsratsstrukturen stand die Kette immer wieder in der Kritik - in guter Gesellschaft mit dem Discounter Netto. Der bezahlt seine Kassierer bekanntlicherweise auch alles andere als großzügig und Überstunden auch schonmal überhaupt nicht. Gleichzeitig öffentlichkeitswirksam für soziale Projekte zu werben, offenbart eine ziemlich zynische Doppelmoral.

Aufrunden oder nicht?

Das trifft zum Glück nur auf Einzelfälle unter den Partnern der "Aufrunden bitte"-Aktion zu. Die Idee, an der Supermarktkasse Kleinstbeträge zusammen zu sammeln, sozusagen die Eröffnung einer bundesweiten, sozialen Kaffeekasse, ist nicht schlecht. Ob sie von den Kunden angenommen wird, wird sich zeigen. Für wie sinnvoll man die Aktion persönlich hält und ob man nicht eher für Projekte im Ausland spenden würde, das muss sowieso jeder selber wissen.

 

Wie seht ihr das denn?
Habt ihr schon einmal aufgerundet und was haltet ihr von der Aktion?