Geschäftsmänner, die in der Metro Gameboy spielen, blitzblanke Straßen und Karaoke-Bars an jeder Ecke: Tokyo ist anders als andere Großstädte und gerade deshalb so faszinierend. Lest wie hier ein perfekter Tag aussieht.

Die Sonne blendet mich, wenn sie immer wieder zwischen Gebäuden und Bäumen hervorlugt und ihre grellen Strahlen mir die Sicht nehmen. Mir ist übel. Ich stütze mich auf meine Knie und hebe meinen Kopf, sehe auf die Bank gegenüber, während der Zug unter einer zu lauten Ansprache zum Stehen kommt. Zwei Mädchen sitzen da in Schuluniform, eine scheint ihre Haare zu glätten, die andere kippt immer wieder im Halbschlaf auf die Schulter der anderen. Links neben ihr sitzt ein Mann mittleren Alters, sein Anzug sieht nach Armani aus, die Schuhe sind frisch poliert. Er spielt Gameboy. Weiter links noch so einer, einen Manga lesend. Ich lächle, trotz meiner Übelkeit. Ich bin in Japan. Es ist sieben Uhr morgens, ich bin Teil des Berufsverkehrs, doch eigentlich auf dem Weg nach Hause. War eine lange Nacht in der größten Stadt der Welt.

Restaurants und Shops sind aufeinander gestapelt

Tokyo ist eine moderne Stadt, hier gibt es alles. Alles außer Kriminalität, Sitzgelegenheiten im Freien oder Müll auf der Straße. Fahre ich mit der Metro im dichten U-Bahnnetz in die Tokyoter Innenstadt, nach Shibuya, werde ich von gigantisch großen Gebäuden mit riesigen Coca-Cola Emblemen erwartet, von überdimensionierten Werbeflächen und Bildschirmen, auf denen bunte Werbespots laufen, Shops und Restaurants die sich nicht nur nebeneinander, sondern auch übereinander in Hochhäusern stapeln. Um all das ungestört genießen zu können, setze ich mich in den 1. Stock im Starbucks an der großen Kreuzung in Shibuya. Ergattert man einen Platz am Fenster, so überblickt man die große Kreuzung und kann bei einem teuren Heiß- oder Kaltgetränk tausende von Japanern dabei beobachten, wie sie die Straße überqueren. Direkt an der Kreuzung steht auch die legendäre Hundestatue 'Hachiko', ein beliebter Treffpunkt in Tokyo. Zum Essen gehe ich in eine der Japanischen Restaurantketten, 大戸屋(Ootoya), in der es recht günstige und gute, traditionelle, japanische Mahlzeiten gibt; natürlich mit Miso-suppe, Reis und Gemüse, dazu Tee und im Winter sehr gerne auch einen heißen 日本酒(Sake- Reiswein). Beim Betreten des Restaurants bekomme ich nach den obligatorischen Begrüßungsfloskeln noch vor der Platzzuweisung eine Speisekarte auf Englisch in die Hand gedrückt, damit es ja nicht zu Missverständnissen kommt.

Ausblick aus der 45. Etage

In Shibuya gibt es genügend Gelegenheiten zum Shoppen, sich mit Freunden in Karaokebars die Seele aus dem Leib zu singen und zum Feiern in einen der angesagten Clubs zu gehen. Neben Shibuya ist Shinjuku ein weiterer beeindruckender Teil Tokyos. Hier ragen die großen Firmen und Banken, die beeindruckende Skyline Tokyos aus dem Boden. Um einen Ausblick über Tokyo genießen zu können, fahre ich mit dem Aufzug in die 45. Etage des Tokyo Metropolitan Government Building. Dort kann ich mich in einer der zwei Türme für eine der beiden Aussichtsplattformen entscheiden, von wo aus sich mir ein fantastischer Blick über Tokyo bietet. Doch halt, nicht über ganz Tokyo, denn die Stadt ist so gigantisch, dass sie bis zum Horizont und weiter zu reichen scheint. Von oben sehe ich auch den berühmten Tokyo Tower, ein japanischer Eiffelturm, den man ebenfalls besteigen kann. Der Eintritt zu den Plattformen ist kostenlos, oben decke ich mich noch mit Souvenirs ein und trinke etwas im gemütlichen Café bei einem erstklassigen Ausblick.

Shoppen ist hier nichts für schmale Geldbeutel

Die Läden und Restaurants in Tokyo haben jeden Tag geöffnet, auch sonntags und an vielen Feiertagen. Wer also Einkaufen gehen möchte, kann in Shibuya anfangen und dann weiter nach Harajuku spazieren, wo man in der Takeshita-dori, einer Einkaufsstraße, auf trendige kleine Boutiquen und Läden stößt, die meist gut besucht sind von jungen, individuell gekleideten Menschen. Ebenfalls sehenswert ist Tokyos Champs Elysées, die Omotesando, auf der sich gut und teuer Shoppen lässt. Japan ist signifikant teurer als Deutschland, und das gilt nicht nur für die Innenstadt. Selbst als ich beim H&M einkaufen gehe, zahle ich für die gleiche Ware mehr als zu Hause. Auch außerhalb in kleinen Supermärkten sind die Preise recht hoch.

Harajuku, ist bekannt für die extravagante, junge Modeszene und auf der Brücke an der Harajuku -Station finden sich regelmäßig auffällig gekleidete Jugendliche der Szene zusammen. Als Tourist kann man auch gerne mal nach einem gemeinsamen Foto fragen: 写真を撮ってもいいですか?(Shashin o totte mo ii des ka?). Ich überquere die Brücke, um den Meiji Jingu besichtigen, den größten Shinto-Tempel in Tokyo. Hier treffen wirklich Moderne und Tradition aufeinander. Ich erkundige mich nach dem Weg und merke, dass das Vorurteil, die Japaner seien mehr als freundlich, mehr als zutreffend ist. Sie sind zuvorkommend, hilfsbereit, interessiert und bemüht, auch mal englisch zu sprechen, falls das angelernte Japanisch-Vokabular nicht ausreichen sollte.

Überwältigende Ehrlichkeit

Nach der Party begebe ich mich morgens um halb sieben zurück zum Bahnhof, und verliere meinen Geldbeutel, in dem wirklich alles ist, was wichtig ist: Geld, Kreditkarte, Ausweise. Nachdem ich zum Schalter der Bahnbeamten gehe und den Vorfall in improvisiertem, einfach strukturiertem Japanisch schildere, bekomme ich nach etwa fünf Minuten unter Verbeugungen meinen Geldbeutel zurück. Nichts fehlt. Ich bedankte mich, verbeugte mich und denke: 'Woanders wäre das nicht so reibungslos verlaufen.'

Im Zug sitzend, dreht sich alles in meinem Kopf und ich überlege, wohin ich morgen gehen soll, oder heute, nachdem ich geschlafen habe. Vielleicht gehe ich mit Freunden in ein japanisches Trinklokal, ein Izakaya in Ikebukuro, oder fahre ans Meer zum Kasai-Rinkai-kouen, oder ich gehe ins Disney-Land Tokyo, oder ich besuche das Tokyo National Museum, das mitten im wunderschönen Ueno-Park liegt. Ich könnte natürlich auch nach Odaiba fahren, eine künstliche Insel die durch die riesige Rainbow-Bridge mit dem Rest Tokyos verbunden ist, und morgen Abend, da gehe ich vielleicht nach Roppongi, der Stadtteil Tokyos, in dem sich die meisten Ausländer tummeln, und wo man so richtig abfeiern kann: Clubs, Bars, Restaurants, hier gibt es einfach alles.

Ich öffne die Augen und lächele vor mich hin. Das Mädchen mit dem Glätteisen mir gegenüber ist bereits ausgestiegen, und das andere lehnt jetzt an der Schulter des noch immer gameboy-spielenden Geschäftsmannes.

Jugendherbergen in Tokyo:

Als Bleibe ist die HI Tokyo Central YH zu empfehlen. Die Jugendherberge wurde im April 2011 eröffnet. Sie liegt zentral in Tokio in der Nähe des Kaiserpalasts mit hervorragender Verkehrsanbindung (JR-Sobu-Linie, Metrolinien Yurakucho, Tozai und Nanboku sowie Toei-Subway-Linie Oedo). Shinjuku, Shibuya, Asakusa, Ueno und Akihabara sind mit der Bahn in 15 bis 20 Minuten zu erreichen.

Die Zimmer befinden sich im 18. und 19. Stock eines Hochhauses und bieten eine tolle Aussicht auf die Stadt. Bei schönem Wetter kann sogar den Fuji und die Japanischen Alpen sehen.

Hier findet ihr alle Jugendherbergen in Japan: www.hihostels.com