Ein perfekter Tag in Lissabon

Häuser im maurischen Stil, nostalgische Straßenbahnfahrten, quirlige Stadtviertel: In den Straßen von Lissabon kann man sich tage- und wochenlang verlieren.

Die Hauptstadt Portugals lockt mit ganz unterschiedlichen Vierteln: In der maurisch angehauchten Alfama scheint die Zeit stillzustehen; das Stadtzentrum (Baixa) ist quirlig und geschäftig; in Chiado kann man gut einkaufen und abends lockt das Bairro Alto, ein Weggehviertel mit zahllosen Kneipen, Restaurants und Clubs.

Wir beginnen den Tag mit einem Frühstück in der Jugendherberge HI Lisbon Centre. Ein perfekter Ausgangspunkt für die Erkundung der Stadt. Wir laufen zum Platz „Praça do Marquês de Pombal“, von wo uns die Metro ins Stadtzentrum bringen soll. Der Platz ist nach dem Mann benannt, der nach dem furchtbaren Erdbeben, der Lissabon 1755 in Schutt und Asche legte, die Stadt wieder aufbauen ließ. Ein eindrucksvolles Denkmal in der Mitte des Platzes erinnert an ihn.

Die Innenstadt - Streng geometrisch

Schon auf dem Weg zu Metro laufen wir an Häusern vorbei, die Straßenkünstler mehrere Stockwerke hoch großflächig bemalt haben. Wenn man die Augen offenhält, entdeckt man in der ganzen Stadt originelle Graffitis (einige sind in der Bildergalerie zu sehen). Mit der blauen Metro-Linie (Metro-Übersichtsplan auf Englisch hier) fahren wir bis zu Haltstelle „Terreiro do Paço“ und stehen am Praça do Comercio. Dieser Platz liegt zwischen der Mündung des Tejo (früher haben hier Schiffe angelegt) und dem pompösen Triumphbogen, hinter dem die Altstadt beginnt. Nach dem Erdbeben wurde die Innenstadt Lissabons nach einem strengen geometrischen Muster aufgebaut: Alle Straßen treffen sich im rechten Winkel.

Eine der kulinarischen Attraktionen in der Innenstadt ist die Bäckerei „Pastelaria Casa Brasiliera“ in der Rua Augusta 267. Die portugiesische Küche ist bekannt für ihre Süßigkeiten – hier kann man sie bei einem (zweiten) Frühstück ausprobieren. Beispielsweise die „Pasteis de Nata“ - Mini-Käsekuchen mit Vanille und Zimt.

Mit der Linie 28 in's Alfama-Viertel

Nachdem wir uns gestärkt haben, wollen wir jetzt das berühmteste öffentliche Verkehrsmittel Lissabons ausprobieren: die legendäre Straßenbahnlinie 28. In der Rua da Conceiçao, nicht weit vom Praça do Comercio, kann man einsteigen. Die Wägen sind etwas in die Jahre gekommen und quietschen, wenn sie sich die engen Gassen der maurisch geprägten Alfama hinaufschlängeln – die meisten Touristen finden das sehr pittoresk. Allerdings sollte man am besten früh am Morgen mit der Straßenbahn 28 fahren, wenn gewöhnliche Lissabonner sie benutzen, um zur Arbeit zu kommen. Später am Tag macht es weniger Spaß – einerseits wegen der Horden von Touristen, andererseits wegen den Gangs von Taschendieben, die es auf Kameras und Portemonnaies abgesehen haben.

Im Gegensatz zum Zentrum hat das Alfama-Viertel das Erdbeben von 1755 fast unbeschadet überlebt – deshalb ist hier von Straßen im rechten Winkel nichts zu sehen. Manchmal kommt es einem vor, als sei hier die Zeit stehengeblieben: Vor den Fenstern der Häuser trocknet die Wäsche auf Schnüren, zur Mittagszeit grillen manche Bewohner auf der Straße Fische und abends treffen sich alte Frauen, bekleidet mit Kopftuch und Schürze, um einen kleinen Tratsch mit den Nachbarinnen zu halten. Am besten, man fährt einige Stationen mit der Straßenbahn 28, beispielsweise bis zur Haltestelle „Largo Das Portas Do Sol“, und verliert sich dann im Gassengewirr der Alfama.

Eine Burg wie aus dem Bilderbuch

Typisch für das Viertel sind auch die blau-weißen Kacheln, mit denen die Wände vieler Häuser dekoriert sind. „Azulejos“ werden sie genannt und sind auch ein beliebtes Mitbringsel. Nicht verpassen darf man auch die Burg Castelo de São Jorge, die sich majestätisch über der Stadt erhebt. In ganz Portugal zeugen mächtige Festungen von den Kämpfen zwischen den Arabern und den christlichen (Rück-)Eroberern der spanischen Halbinsel im Mittelalter.

Die Castelo de São Jorge ist eine Burg wie aus einem Kinderbuch: Mit dicken Mauern, hohen Türmen, Kanonen, die auf die Stadt gerichtet sind, und einer tollen Aussicht. Hier machen wir Mittagspause. Die Portugiesen essen gerne kleine, frittierte Happen von Hähnchen, Tunfisch, Gemüse oder Kabeljau. Letztere heißen „Bolinhos de Bacalhau“ und sind im Buffet der Burg erhältlich – genau wie in den vielen „Pastelarias“ in Lissabon. Kabeljau gilt als portugiesische Nationalspeise (angeblich kennen gute Köche 365 Rezepte, für jeden Tag im Jahr einen).

Shopping in Lissabon

Nachmittags gehen wir einkaufen. In der Chiado gibt es elegante Straßen mit vielen Läden – auch zahlreiche Marken, die man in Deutschland (noch) nicht findet, wie die beliebte italienische Unterwäsche-Kette „Intimissimi“. In das Viertel gelangt man entweder zu Fuß – oder mit dem berühmtesten Aufzug der Stadt, dem „Elevador do Carmo“. Allerdings kostet eine Fahrt fünf Euro – wenn man sich einigermaßen fit fühlt, investiert man das Geld dann vielleicht lieber doch in die Shopping-Tour.

Tapas am Abend

Wenn die Sonne untergeht, wird es Zeit, in das Viertel Bairro Alto aufzubrechen. Ein guter Ausgangspunkt für die abendlichen Streifzüge ist die Praça Luís De Camões, benannt nach dem Nationaldichter Portugals, der mitten auf dem Platz als Statue zu bewundern ist. Nördlich des Platzes locken unzählige Restaurants, Bars und Clubs. Leckeres marokkanisches Essen gibt es beispielsweise im Ali-a-Papa, in der Rua de Atalaia 95.

Oder man verzichtet auf ein „richtiges“ Abendessen und probiert sich stattdessen – mit einem Glas Wein - durch die leckeren Tapas, die es beispielsweise in der originell dekorierten Bar Mahjong in der gleichen Straße (Rua da Atalaia 3) gibt: Beispielsweise Datteln mit Schinken oder eingelegte Oliven – und das im Licht von Lampen, die mit Kohlblättern dekoriert sind.

Hier geht's zur Bildergalerie aus Lissabon.