Killarney ist Irlands Tourismuszentrum. Nur in der Hauptstadt Dublin gibt es noch mehr Hotelbetten. Was die Menschenmassen anzieht, ist aber nicht der pulsierende Beat einer Großstadt. Stattdessen steht Natur pur hoch im Kurs. Denn nirgends sonst auf der grünen Insel findet ihr ähnliche Landschaftsjuwelen.

Tradition beginnt am Frühstückstisch

Euer Morgen startet im Revive Cafe, wo ihr euch mit einem Full Irish Breakfast für den bevor stehenden Outdoor-Tag wappnet. Traditionell gehören Spiegeleier, Bacon, gebackene Bohnen in Tomatensoße, Würstchen und Toast sowie Unmengen an Tee oder Kaffee dazu.

Mit Leihfahrrädern (am besten im Vorfeld reservieren) geht’s dann in den Killarney Nationalpark. Rund 100 Quadratkilometer ist das Naturreservat groß. Drei Seen durchbrechen mit ihrem Azur die verschiedensten Grün-, Orange- und Brauntöne der hier beheimateten Pflanzen. Nach etwa fünf Kilometern Genussfahrt baut sich Muckross Abbey vor euch auf. Die imposante Abtei wurde 1340 vom Franziskanerorden gegründet und im Laufe der Jahrhunderte mehrfach zerstört und wiederaufgebaut. Die unterschiedlichen architektonischen Stilrichtungen sind noch heute sichtbar.

Von tragischen Schicksalen und historischem Bergbau

Am Muckross Lake sticht außerdem der Colleen Bawn Rock ins Auge. Vor der majestätischen Kulisse des Torc Mountain ragt der sagenumwobene Kalksteinfels aus dem See. Er soll nach einer jungen Schönheit benannt sein, die kurz nach ihrer Heirat vom eigenen Ehemann ermordet im Wasser treibend aufgefunden wurde. Besonders im Licht der Morgensonne ein toller Fotospot.

Ganz in der Nähe sind auch die Old Copper Mines. In den 1828 geschlossenen Kupferminen waren einst 500 Menschen beschäftigt. Letztendlich führten Überschwemmungen dazu, dass die Arbeit niedergelegt wurde. Ein historischer Minenpfad erzählt die Geschichte des hiesigen Bergbaus.

Tee und Scones im Dinis Cottage

Im Dinis Cottage könnt ihr eine Verschnaufpause einlegen. Seit 200 Jahren fungiert die frühere Jagdhütte als Teehaus. Auf der Menükarte stehen neben Tee und süßen Leckereien auch Suppen für schroffes Irlandwetter. Dinis Cottage liegt in mitten der besten Fotomotive des Nationalparks. Schaut zu wie am sogenannten Meeting of the Waters alle drei Seen des Parks aufeinandertreffen und lauft bedächtig über die von Erdbeerbäumen umrankte Old Weir Bridge. Egal wohin euer Auge schweift, das Farbenspiel der Natur ist märchenhaft.

Wieder im Fahrradsattel führt euer Weg euch zum Torc Waterfall. Gute 20 Meter prasselt das Wasser hier in die Tiefe. Verschiedene Aussichtsplattformen bieten euch die beste Sicht über den Muckross Lake (auch Middle Lake genannt). Einen halben Kilometer weiter erstreckt sich der unter Einheimischen sehr beliebte Dundag Beach. Bei gutem Wetter kann hier sogar gebadet werden.

Das Beste kommt zum Schluss

Zu eurer Linken fliegt kurz darauf Muckross Boathouse vorbei, bevor ihr das Highlight der Tour erreicht: Muckross House. Das aus dem 19. Jahrhundert stammende Herrenhaus schmiegt sich malerisch ans Seeufer. Kein Wunder, denn die Hausherrin selbst war Landschaftskünstlerin. Inhaberfamilie Herbert genoss hohes gesellschaftliches Anwesen. Sogar die britische Königin Victoria verbrachte 1861 einige Tage auf dem Anwesen.

Heute ist Muckross House ein Museum, das euch einen authentischen Eindruck darüber verschafft, wie Adelige im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhundert gelebt haben. Außerdem warten ein Restaurant, eine Töpferei und eine Weberei auf Besucher. Unternehmt unbedingt einen Streifzug durch die Rosengärten. Wer noch Muse hat, kann sich in den Muckross Traditional Farms erklären lassen, wie die irische Landbevölkerung um 1930 gelebt und gearbeitet hat.

Genießt auf dem Heimweg nochmals Düfte, Farben und Formen der Natur, bevor ihr den Abend in einem landestypischen Pub in Killarney ausklingen lasst.

Hier könnt ihr übernachten

Text: Ronja Gysin

Foto: Tony Webster; https://www.flickr.com/photos/diversey/, zugeschnitten