Was fällt euch zu Bremen ein? Werder, Becks und die Stadtmusikanten? Doch die Wesermetropole hat noch viel mehr zu bieten als das Offensichtliche. Ein Städtetrip zwischen Touristenmassen und Szenevierteln.

Mein perfekter Bremen-Tag beginnt mit einem Bekenntnis. Bremen ist nicht nur eine wunderschöne Stadt, sondern hier wird auch noch der wohl ansehnlichste Fußball der Republik gespielt. Das kann ich auch noch nach vielen Jahren in Hannover und jetzt in Hamburg mit besten Gewissen sagen.

Der perfekte Tag in Bremen

So genug der Bekenntnisse - starten wir in den Tag. Gut gestärkt durch ein ausgiebiges Frühstück geht es zum Mittelpunkt der Innenstadt und Wahrzeichen Bremens, dem Roland. Über zehn Meter erhebt sich die Statue in der Mitte des historischen Marktplatzes und gilt damit als eine der größten erhaltenden Staturen des Mittelalters. Wahrscheinlich ist deshalb auch so großer Andrang, rund um den angeblichen Neffen von Karl dem Großen. Fast zu jeder Tageszeit drängen sich davor Touristen, um ein gutes Foto mit dem langen Kerl zu bekommen. Wir schließen uns der Menge an und ergattern auch einen Schnappschuss für das Facebook-Fotoalbum. Auch wenn das nicht sonderlich originell ist, darf natürlich der Rundgang über den Marktplatz im Anschluss daran nicht fehlen. Immerhin gehören der Roland und das historische Rathaus zum Unesco-Weltkulturerbe. Mit einem letzten Tipp verlassen wir nun die Mitte der Stadt: In der Adventszeit findet hier der wohl schönste Weihnachtsmarkt des Nordens statt.

Das nächste Ziel an diesem Vormittag ist ebenfalls ein touristischer Hotspot, aber deshalb nicht weniger sehenswert. Nach einem Abstecher zu der Bronzefigur der Bremer Stadtmusikanten gelangen wir über Kopfsteinpflaster in das sogenannte Schnoorviertel. Dieses Gängeviertel mit seinen engen Gassen und etwas schiefen Fachwerkhäusern ist der wohl älteste Teil Bremens. Mehr als einen kleinen Bummel braucht es hier aber nicht, die Geschäfte sind eher auf älteres Publikum ausgerichtet und meist völlig überfüllt. Nur einen Laden sollte man unbedingt besuchen, nämlich Weihnachtsträume. In diesem Laden ist das ganze Jahr Weihnachten. Es gibt im Hochsommer nichts Skurrileres, als durch die bunten Abteilungen des dreigeschossigen Ladens zu schlendern und sich über Lametta im Juli zu freuen.

Auf unserem Bremen Städtetrip geht es runter zur Weser

Weg von dem Treiben in den verwinkelten Gassen geht es nun runter zur Weser. Dort im Schatten von Binnenschiffen und historischen Seglern kann man die Seele wirklich baumeln lassen und sogar ein bisschen die Freiheit der See riechen. Folgt man dem Weg entlang der Weser, trifft man nicht nur zahlreiche Jogger und Hundebesitzer, sondern kann auch fast zu jeder Jahreszeit Ruderern bestaunen, die mit kräftigen Schlägen vorbeiziehen. Ehe man sich versieht, steht man dann vor dem legendären Weserstadion, eins der schönsten Stadien der Bundesliga und inzwischen seit 1909 Heimat des SV Werder Bremen. Doch auch Fußballmuffel sind hier am richtigen Platz, denn der Fußballtempel liegt in der östlichen Vorstadt, dem Szenebezirk Bremens. Die Gegend um Ostertor und Steintor wird von den Bremern liebevoll „das Viertel“ genannt. Mitten in diesem Kiez liegt unser erster Ruheort. In einem der zahlreichen Cafés machen wir Halt und schauen dem bunten Treiben auf der Straße zu. Der alte Ex-Hippie trifft hier auf die digitale Boheme und zu dem zahlreichen Döner-Läden haben sich zahlreiche hippe Läden gesellt. Früher war dieser Stadtteil vor allem als Drogenumschlagsplatz und für die heftigen Zusammenstöße zwischen Polizei und Autonomen bekannt. Doch diese Zeiten sind endgültig vorbei. Heute sind in den angesagten Second-Hand-Shops Promis wie die Autorin Charlotte Roche Stammgäste und in den Plattenläden stöbern die Hippen der Stadt nach Schätzen auf Vinyl. Gerade das früher so berüchtigte Eck wird immer mehr zum Szene-Kiez und ist damit völlig gefahrlos zu besuchen.

Durch den Hinterausgang in den Bürgerpark

Kulinarisch gestärkt und um ein paar tolle Einkäufe reicher, geht es zurück in die Innenstadt. Durch den Hinterausgang des Hauptbahnhofes gelangen wir in den Bürgerpark, mit fast 40 Hektar Bremens grüne Lunge. Der Park ist von Wasserläufen durchzogen und teilweise sogar richtig bewaldet, aufgebrochen werden die Bäume nur durch die großen Liegewiesen. Auf einer Bank sitzend genießen wir den inzwischen ausklingenden Tag und ruhen die müden Füße aus. Immerhin wollen wir uns nach der Ruhe in der Natur noch ins Nachtleben stürzen. Ja, Bremen wird zwar gern mal als Dorf mit Straßenbahn bezeichnet, weggehen kann man aber trotzdem. Dafür kehren wir nach Einbruch der Dunkelheit ins Viertel zurück, mit der höchsten Kneipendichte der Stadt beginnt man hier den Abend standesgemäß mit einem Becks. Zu fortgeschrittener Stunde trifft man hier Bremens Studenten in der Lila Eule, ein Club mit großer Tradition für ausschweifende Partys oder im Lagerhaus. Bis in den Morgen feiert man nur weniger Meter weiter im Heartbreak-Hotel, einem der verrücktesten Clubs der Stadt. Beschreiben kann man ihn kaum, man muss ihn wohl einfach selbst gesehen haben. Weniger zu empfehlen ist aus meiner Sicht die Partymeile in der Bahnhofsvorstadt. Hier regierte das Ballermann-Publikum und die Türsteher sind deutlich unfreundlicher.

Übernachten kann man in Bremen in einer der schönsten Jugendherbergen in Deutschland - übrigens direkt an der Weser.

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