Was man denkt, wenn man ein Jugger-Spiel zum ersten Mal sieht? Wahrscheinlich muss man erst mal schmunzeln, denn die Frauen und Männer sehen aus, als würden sie mit überdimensionierten Wattestäbchen gegeneinander kämpfen. Hinter dem Sport steckt allerdings viel mehr.

2003 wurde die Jugger League gegründet. Seither wird die ungewöhnliche Sportart immer beliebter. Es gibt viele Turniere in ganz Deutschland. Ob im Unisport oder im Verein: Jugger gibt es in fast jeder Stadt. Die Grundidee klingt zunächst nach Fußball: Die Mannschaft, die den Ball am häufigsten im gegnerischen Tor versenkt, gewinnt. Was so einfach klingt, wird allerdings recht schnell komplexer. Der Ball heißt hier Jugg und das Tor Mal. Gespielt wird nicht nur mit den Füßen, sondern vor allem mit sogenannten Pompfen. Das sind gepolsterte Spielgeräte, die aussehen wie riesige Wattestäbchen. Drei Spieler sind mit diesen Pompfen ausgestattet. Außerdem gibt es noch einen Kettenmann, der den Läufer, oder Quick genannt, auch verteidigt. Das passende Gerät besteht aus einer Schaumstoffkugel, die an einer Plastikkette hängt. Diese Kette ist etwa drei Meter lang und wird vom Spieler über dem Kopf geschwungen. Zwei Mannschaften mit jeweils fünf Feldspielern versuchen den Jug in der Mitte des Spielfelds zu erobern und ihn ins gegnerische Mal zu bekommen. Die Schwierigkeit: Nur ein Spieler, der Läufer, darf den Jug aufnehmen und ein Tor schießen. Ihm wird der Weg von seinen Mitspielern freigemacht. Außerdem versuchen die anderen Spieler sich gegenseitig mit ihren Pompfen „abzutippen“. Wenn das passiert, darf der Getroffene eine Zeitlang nicht mitspielen – so kann er den Läufer auch nicht schützen. Der beste Vergleich: Jugger ist eine Mischung aus American Football und Gladiatorenkämpfen.

3,2,1 – Jugger!

Das Spielfeld ist 20 mal 40 Meter groß. Klar, dass das punktförmige Mal an der jeweiligen Feldseite geschützt werden muss. Der Jug ist meistens ein einfaches Rugby-Ei – manchmal wird aber auch ein künstlicher Hundeschädel aus Schaumstoff benutzt. Die Zeit wird nicht mit einer Uhr, sondern mit Trommel- oder Gongschlägen gemessen. Ein Spiel dauert zwei mal 100 Schläge. Insgesamt sind das ungefähr acht Minuten. Auch das macht den Sport besonders: Es geht nicht nur um Ausdauer, weil das Spiel aus kurzen Aktivphasen besteht. Die Spieler laufen nicht nur. Sie fechten und kämpfen, um einen Punkt zu machen. Ein typisches Spiel sieht so aus: Zu Beginn jedes Spielzugs stellen sich die Teams an ihren Feldseiten auf. Der Jug liegt in der Mitte des Felds. Dann heißt es: „3, 2, 1 – Jugger!“ und los geht’s. Beide Mannschaften stürmen aufeinander zu, ähnlich wie beim Football. Die Läufer versuchen den Jug zu bekommen und ihn so schnell wie möglich in das Gegner-Mal zu bugsieren. Beim Lauf sind die anderen Spieler eine Art Schutz. Wenn ein Spieler von einer Pompfe getroffen wird, muss er sich auf den Boden knien und fünf Schläge lang aussetzen – bei einer Kette sind es sogar acht Schläge. Je mehr Spieler ausgeknockt sind, desto schwieriger wird es für den Läufer des jeweiligen Teams.

Harte Schale, weicher Kern

Der Sport klingt ganz schön hart. Trotzdem – oder gerade deswegen – wird beim Juggern großer Wert auf Fairness gelegt. Die Kämpfer dürfen ihre Gegner nur mit ihren Pompfen oder Ketten berühren. Die Läufer dürfen sich nur gegenseitig angreifen. Ringen, schubsen und stoßen ist erlaubt. Treten, boxen oder beißen ist streng verboten. Eins ist klar: Beim Jugger wird es selten langweilig. Ein Spieler spielt meistens abwechselnd auf zwei Positionen und kennt die Abläufe so ganz genau. Egal ob Pompfen-Kämpfer, Kettenmann oder Läufer: Es lohnt sich, jeden Platz zu testen!

(Text: Patricia Schaller)

(Foto: kotorl52000/flickr.com, CC BY 2.0)