
Annegret, 23, studiert Journalistik an der Universität Leipzig. Warum Radfahren für sie die einzig wahre Fortbewegungsart ist? Sie berichtet es im zweiten Teil des Reisearten-Vergleichs.
Montag, 8.45 Uhr: Zugegeben, wirklich früh am Morgen ist es nicht mehr, aber mein Biorhythmus schnarcht noch vor sich hin. Aber in spätestens 15 Minuten muss ich in der Vorlesung sitzen. Zeit, um auf die Straßenbahn zu warten, habe ich keine mehr. Lust, mich wie in einer Sardinenbüchse zwischen Heavy-Metall-Hörer und Kein-Deo-Benutzer zu quetschen ebensowenig. Stattdessen schwinge ich mich auf mein Rad, und zwar bei Wind und Wetter. Wenn die Sonne scheint, gibt es sowieso nichts Schöneres. Wenn es richtig stürmt, sehe ich das Pedalen gegen den Wind als Workout an. Und bei knackiger Kälte packe ich Mütze, Schal und Handschuhe aus, stelle mir vor, dass ich auf dem Weg zum Mount Everest bin und komme wach in der Uni an. Selbst meine motorisierten Kommilitonen überhole ich, denn während die auf der Suche nach einem Parkplatz ihre dritte Runde um den Campus drehen, schließe ich mein Rad einfach vor dem Seminargebäude an.
Auch nach den Vorlesungen und auf dem Weg von meinem Nebenjob zu Freunden leistet mir mein Fahrrad gute Dienste. Ich muss nicht auf Anschlussverbindungen warten. Streiks lassen mich kalt. Das Reitturnier einer Freundin findet etwas außerhalb statt, Busse verirren sich nur alle Jubeljahre dorthin? Kein Problem für mich und meinen Drahtesel. Ich kann Strecken durch Parks abkürzen, Einkäufe in meinem Körbchen transportieren oder Anhalter auf meinem Gepäckträger mitnehmen. Nach Partys bin ich nicht auf Nachtzug voll betrunkener Stinker angewiesen. Ich kann gehen, wenn ich müde bin, oder bleiben, bis die Sonne aufgeht. Radfahren ist günstig, gut für die Umwelt und hält fit. Zugegeben, es gibt auch teure Räder. Aber nach der Anschaffung ist weder Benzin noch ein regelmäßiges Monatsticket mit ständig steigenden Preisen nötig. Ab und zu ein neuer Fahrradschlauch, eine Luftpumpe und etwas Kettenöl – fertig.
Auch in den Ferien ist der Drahtesel mein bester Freund. Mit kaum einer anderen Reiseart bekommt man so viel mit von Landschaft, Natur und Leuten. Einen Sommerurlaub haben ich und ein paar Freunde in Polen verbracht. In Guben, einer deutsch-polnischen Grenzstadt, stiegen wir auf unsere Räder. Über Warschau wollten wir bis zur polnischen Ostseeküste fahren, um dort noch ein paar Tage wohlverdienten Badeurlaub zu verbringen. Ich gebe zu, ganz stressfrei war die Sache nicht. Gleich auf den ersten Kilometern stellten wir fest, dass die polnische Art, Auto zu fahren, nicht besonders radlerfreundlich ist. Bei dem Versuch, von Straßen auf Wanderwege auszuweichen, verfuhren wir uns und schoben, in der Sommerhitze fluchend, unsere Räder kilometerweit über tiefen, sandigen Waldboden. Einen Regentag lang waren wir mit unseren Rädern in einer polnischen Bimmelbahn unterwegs. Und kurz vor unserem Zielort verstauchte ich mir den Knöchel, als ich über eine ungünstig gespannte Zeltschnur fiel. Trotzdem: Pauschalreisen kann ja jeder. Wer abenteuerlustig, flexibel und gern draußen ist, und nicht möglichst viele Kilometer in möglichst kurzer Zeit hinter sich bringen will, für den ist Radfahren die beste Reiseart der Welt. Mein nächster Plan: Mit dem Fahrrad von meiner Unistadt in die alte Heimat. Sind ja nur 166 Kilometer.
Kommunikation: 1-5 (form- und typabhängig)
Landschaft: 1
Fitness: 1
Finanzen: 2
Schnelligkeit: 3-5 (ebenfalls form- und typabhängig)
Kommentare
das rad
tja das Rad wir von mir auch am besten bewerten. Wäre der innere Schweinehund nicht so riesig und beinahe unüberwindbar... :)
Bei mir bekommt das Rad
Bei mir bekommt das Rad Bestnoten, bin mal auf die anderen Zeugnisse gespannt!