Wer kennt das nicht? In den Stadtführern stehen nur Bars, in denen Touristen sitzen und die angeblichen Geheimtipps sind längst keine mehr. Das gibt es beim Youpodia Pop-Guide garantiert nicht. Denn hier kommen die Tipps von echten Insidern der Szene ihrer Stadt. Dieses Mal führen uns die Punkrocker von Smile and Burn durch Berlin.

1.) Die Liebeserklärung:

Was macht die Stadt für dich so besonders?

Gerade als Berliner bestimmt sich die Besonderheit immer ex negativo: Wenn man in München ist und permanent Bußgeld zahlt, weil man auf der falschen Straßenseite Fahrrad fährt oder wenn in Münster das komplette Polizeibataillon quer über die Wiese brettert, weil ein rauchender Grill gesichtet wurde, wenn man irgendwo auf der Welt nach Mitternacht noch Bier für 70 Cent kaufen will, wenn in London im Club um zwei die Lichter angehen, dann weiß man erst wieder, was man an Berlin hat.

Welche Songs beschreiben deine Lieblingsstadt am besten?

Da gibt es ungefähr Tausend. Ich würde ganz ungewöhnlich mit OK KID und "Mehr Mehr" gehen. Der kreative Berliner in seinen endzwanziger Jahren ist wirklich Prototyp des postmodernen leicht depressiv angehauchten Subjekts. "Zu groß für unsere Stadt doch zu klein für die Welt".

2.) Sightseeing:

Welche drei Sehenswürdigkeiten sollte ich als Tourist auf jeden Fall gesehen haben?

Das Freiluftkino in der Hasenheide Neukölln ist im Sommer die beste aller Abendaktivitäten. Während der anderen Jahreszeiten sollte man sich auch als absoluter Kulturbanause einmal in Volksbühne getraut haben. Und dann wenigstens von der Oberbaumbrücke bis zum Kottbusser Tor drei Stunden durch Kreuzberg latschen, das bleibt einfach an einigen Straßenecken Berlins Juwel.

Welche Orte sind völlig überschätzt?

In einer Stadt wo man in jeden zweiten Hausflur kommt und wo jede dritte Dachluke offen ist, sind kostenpflichtige Aussichtsplattformen einfach das Letzte. Fernsehturm, sorry. Auch das Gewese um die Friedrichstraße kann man eigentlich kaum verstehen. Eine lange Straße mit miefenden Läden gibt es ja eigentlich in jeder deutschen Stadt.

Was zeigt ihr euren Gästen als erstes von der Stadt?

Den Hermannplatz und danach den Görlitzer Park, um Ihnen die Angst zu nehmen.

3.) Kultur

In welches Museum sollte man gehen?

Der wichtigste Teil der Berliner Geschichte ist nicht einmal hundert Jahre alt, prägt an vielen Orten das Stadtbild. Ich glaube es ist in Ordnung, wenn man den ägyptischen Krempel ausnahmsweise beiseite lässt und sich mit dem jüdischen Museum und dem Stasimuseum auseinandersetzt, da hat man schon einiges zu verarbeiten.

Und auch, wenn es jetzt so gar nicht in diese Reihe passt: Jeder Punker von Welt muss im Ramones Museum gewesen sein, logisch oder?

Wo kann ich die jungen Bands der Stadt entdecken?

Komm zu uns in den Proberaum nach Marzahn-Hellersdorf. Das ist ein acht-stöckiger Neubaukomplex mit jungen, aufstrebenden künstlerischen Bands vom Keller bis unters Dach und ungelogen der deprimierendste Anblick, den du kulturell in deinem Leben jemals ertragen wirst.

4.) Kulinarisch:

Welche Spezialität muss ich unbedingt probieren?

Egal, was euch die Reiseführer sagen, geht da nicht hin! Das ist nach dem Fernsehturm und dem Ampelmannshop der größte Irrtum dem Touristen aufgesessen sind. Falafel ist die neue Currywurst. Ach ja, und Pfeffi.

Wo kann ich gut und günstig essen?

Unser Stammimbiss ist mittlerweile der Vöner geworden. Nach einer Portion Pommes Spezial kann man locker fünf Stunden Bandprobe absolvieren ohne mit der Wimper zu zucken. Und ja, für die Unverbesserlichen gibt es auch Currywurst, die ist aber wenigstens vegan.

5.) Shopping:

Wo kriege ich die coolsten Klamotten der Stadt?

Diese Frage stellt man nicht, nicht, wenn man in Berlin ist und auch nicht jemandem, der aus Berlin kommt. Merkt euch das! Und nein, die Klassenfahrt der Elften, deren Bus sich geschlossen in den Primark entleert, hat nicht die Weisheit mit Löffeln gefressen.

Wo kann ich meine Musiksammlung erweitern?

Im Core Tex in Kreuzberg und im Bis Aufs Messer in Friedrichshain. Die beiden Läden decken zusammen ungefähr alles ab, was subkulturelle Rockmusik zu bieten hat. Da findet jeder sein Glück!

6.) Nachtleben:

Wo beginnt ihr eure Streifzüge durch die Nacht?

Da unser Gitarrist Sascha Barkeeper im KPTN ist, fangen wir da an, finden dort unseren Höhepunkt und hören dort auf. Man munkelt, es werden wöchentlich neue Cocktails erfunden. Für Vertragsunterzeichnungen, Bandmeetings, kreatives Brainstorming, Krisenkonferenzen und falls einem das Gedränge mal zu viel wird, suchen wir Obhut in der Kneipe (ja, eine Kneipe, die "Kneipe" heißt, toll).

Wo kann ich am besten feiern gehen?

Wir haben eine sehr lange Geschichte mit dem RAW Gelände. Und es ist für jeden Besucher, der clubhungrig ist, ein El Dorado. Viele von uns haben an ihren volltrunkensten Abenden Pfeffirunden im Cassiopeia geschmissen, sich am Türsteher im Suicide Circus vorbeigeschlichen oder zur Jazz Night im Crack Belmer geschwoft.

Wer sich von diesen Tipps inspiriert in einer der vielen Jugendherbergen in Berlin einquartieren möchte, hier gibt's eine Übersicht.

Smile and Burn - Expectations