
"Ich bin 26 Jahre alt und komme aus Tokio. Dort habe ich Malerei und Kunsterziehung studiert. Seit März 2009 wohne ich in Deutschland. Im Moment lerne ich Deutsch an der Volkshochschule, um mich so auf die Deutschprüfung vorzubereiten, die ich für die Zulassung zum Studium brauche. Denn ab dem nächsten Wintersemester werde ich Kunstgeschichte studieren. Ich interessiere mich schon lange für deutsche Kunst, vor allem für den Expressionismus.
Am Anfang war es hier für mich sehr kompliziert, denn alles ist fremd und anders als in meinem Heimatland. Auch so alltägliche Dinge wie das Fahren mit den öffentlichen Verkehrsmittel musste ich neu lernen. Auch das Bedienen von Herd oder Waschmaschine, von Schlüsseln und Fenster und wie und was man isst, wurden zur ungeahnten Herausforderung. Bei der Kommunikation hatte ich auch viele Schwierigkeiten. Oft benutzen die Deutschen Wörter, die so nicht im Wörterbuch stehen. Für viele japanische Wörter gibt es auch einfach kein passendes im Deutschen. An die Gewohnheiten und Sitten in Deutschland habe ich mich auch nicht einfach gewöhnt. Ich hatte keine Ahnung,worauf ich Rücksicht nehmen soll.
Die Leute reagieren vorsichtig auf mich. Vielleicht, weil ich aus Asien und somit aus einem ganz anderen Kulturkreis komme. Dadurch entsteht eine gewisse Distanz, die ich als sehr unangenehm empfinde.
Aber mir gefällt, dass die Leute hier selbstständiger denken als in meinem Heimatland. Sie haben eine eigene Meinung, sind individuell. In Asien hält man Gemeinschaft für wichtiger, man soll mit den anderen harmonieren und nicht immer die eigene Meinung sagen. In Deutschland werden die internationale Beziehungen stärker gepflegt. Das fehlt uns in Japan. Durch die Interaktion mit anderen Ländern erfahren die Menschen mehr über andere Kulturen und werden offener. In Japan lernt man selten Menschen aus dem Ausland kennen.
Wenn sich eine Gesellschaft zum Positiven entwickeln soll, dann werden viele verschiedene Perspektiven gebraucht. Migranten können zu dieser Vielfalt beitragen. Deutschland ist in vielen Bereichen so erfolgreich, weil hier Toleranz gegenüber den Migranten herrscht. Zwar immernoch nicht genug, aber mehr als in Japan."