
„In meinem Heimatland Kanada habe ich eine nette deutsche Praktikantin kennengelernt. Das erste Jahr haben wir ein richtiges „Jetset“-Leben geführt, mit monatlichen Flügen über den Atlantik. Im zweiten Jahr hat sie in Montreal ein Auslandssemester absolviert. Vor zwölf Jahren schließlich habe eine unbezahlte Freistellung genommen und bin ich einfach in Deutschland geblieben.
Heute unterrichte ich Wirtschaftsenglisch, internationale Wirtschaft und interkulturelles Management an verschiedenen Akademien. Meine Arbet als Dozent für Ewachsene gefällt mir aber viel besser als meine Stelle, die ich als Gymnasiallehrer in Montrel hatte.
Das Leben in Deutschland ist ganz anders als in Kanada, komplizierter. In Kanada denkt man: Warum etwas schwer machen, wenn’s auch leicht geht? Hier scheint es mir manchmal genau das Gegenteil zu sein...
Vor ein paar Jahren, als ich meine Eltern in Montreal besucht habe, war ich erstaunt, dass einige Dinge mich dort nervten, zum Beispiel die Nachrichten im Fernsehen. Ich machte mir eine Liste, um aufzuschreiben, was mir hier und dort am meisten gefällt: Nach sechs Jahren war es „fifty fifty“! Die meisten waren überrascht, dass ich mich für Deutschland entschieden hatte. Für viele war oder ist Kanada so etwas wie ein Traumland. Ich sage immer, dass Kanada nicht das beste Land der Welt ist. Und Deutschland nicht das schlimmste.
Was mich hier manchmal gestört hat, ist, wenn die Leute mit mir lauter sprachen: Ja, ich bin Ausländer und habe einen Akzent, aber ich bin nicht taub und nicht dumm! Ich glaube einige Schwierigkeiten in Ostdeutschland kommen nur daher, dass es hier nicht genug Ausländer gibt. In Toronto sind knapp fünfzig Prozent der Einwohner nicht in Kanada geboren und in Dresden gibt es ganze vier Prozent Ausländer. Wenn mein Nachbar, mein Kollege, mein Busfahrer, meine Kassiererin usw. nicht „typisch“ Deutsch sind, gewöhne ich mich daran und es ist kein Thema mehr.
Sind wir nicht alle Migranten? Manche wohnen einfach etwas länger auf diesem kleinen Stück Land in Mitteleuropa, das ist alles. Kulturell und wirtschaftlich leisten die Ausländer viel für ihr Adoptionsland. Deutschland überaltert und braucht Ausländer, aber einige wollen das nicht zugeben.“
Kommentare
Gute Frage
Viellelicht ist es speziell für Migranten besonders kompliziert... Stichwort: Bürokratie. Auf jeden Fall ist Deutsch lernen erstmal ne Hürde, das kann ich nachvollziehen.
Wieso kompliziert?
Wieso sagen eigt immer alle deutsche wären kompliziert oder in Deutschland wär es komoliziert? Ist es überall anders total unkompliziert nur in Deutschland nicht???